Carries komische Werkstatt
  Gefangen in einer Traumwelt
 


Kapitel 08 - Gefangen in einer Traumwelt

„Ich bin es, Ethgar... Cosmin!  Erkennst du mich denn nicht wieder?“ Als der silberhaarige Vampir seinen Namen ausgesprochen hatte, drehte sich der Vampirelf ruckartig um und dabei verpasste er Assiru einen heftigen Schlag ins Gesicht. Doch dieser war gerade dabei, einen seltsamen, weißen Ball auf Ethgar zu schleudern, der aber plötzlich genau auf mich zu flog. Mit zusammengekniffenen Augen, versuchte ich einen Satz nach hinten zu machen und ihm auszuweichen. Als ich mein Sehorgan wieder geöffnet hatte, sah ich mich verwundert um. Hatte mich dieser weiße Ball etwa doch nicht getroffen? Was war passiert? Ich hatte keine Schmerzen und auch kein lauter Knall, der normalerweise immer erschien, war nicht zu hören. „Stela!“ kreischte Nyria plötzlich aufgeregt und deutete auf meine Beine. Als ich an mir herunter sah, wäre fast mein Herz stehen geblieben. Der Boden unter meinen Füßen hatte sich in eine seltsame, klebrige Masse, in der ich leicht ein sank, verwandelt und um so mehr ich versuchte, mich aus ihr zu befreien, um so mehr sank ich in ihr ein. „Das ist ein weißes Loch!“ rief Cosmin und kam auf mich zu gerannt. „Bewege dich nicht!  Wenn du versuchst dich zu befreien, wird es dich immer mehr verschlingen.“ „Was ist ein weißes Loch?“ fragte die Magierin und suchte nach irgendetwas, um mich herauszuziehen. „Ein solches Loch schickt einen, wenn es jemanden verschlungen hat, in eine Traumwelt... Und aus der kamen nur wenige zurück. Man braucht einen starken Willen dazu.“ erklärte der Silberhaarige und streckte seine Hand nach mir aus. Nur mit viel Mühe, konnte ich nach dieser greifen, doch ehe ich mich versah, stand auch Cosmin in diesem eigenartigen Zeug und sank ebenfalls leicht ein. Nyria schrie vor entsetzen laut auf und hielt sich etwas die Hand vor den Mund. Doch viel bekam ich nicht mehr mit, denn schon kurz darauf fand ich mich in einem hellen Tunnel wieder. Ich blinzelte ein paar Male, dann schlug ich die Augen auf und richtete mich schlagartig in eine sitzende Position auf. „Was ist geschehen?“ flüsterte ich leise mir selbst zu und sah mich um. „Bin ich etwa Tod?“ Das Licht am Ende des Tunnels blendete mich arg und so hielt ich mir den rechten Arm vor die Augen. Plötzlich erblickte ich Cosmin neben mir auf dem Boden. Rasch kniete ich mich vor ihn und rüttelte ihn heftig. Doch er wollte einfach nicht aufwachen und seine Augen öffnen. Egal wie sehr ich ihn schüttelte, egal wie oft ich auf ihn einredete, er reagierte einfach nicht. Sanft legte ich seinen Kopf auf meinen Schoss und strich ihm über das weiche Haar. „Es ist alles meine Schuld!“ flüsterte ich und wieder nahm ein Tränenschleier mir die Sicht. „Hätte ich besser aufgepasst, dann wäre das alles nie passiert...“ Ich schloss die Augen und eine kleine, im hellen Licht glitzernde Träne kullerte meine Wangen hinunter und fiel schließlich auf Cosmins Lippen. Doch plötzlich konnte ich eine Hand auf meiner Schulter spüren und ich sah mich erschrocken um.
Meine Augen weiteten sich, als die verschwommenen Umrisse der Person, die hinter meinem Rücken stand, immer schärfer wurden. „Es ist nicht deine Schuld, mein Kind...“ „Sind wir Tod?“ fragte ich leise und meine Worte, wurden von kaum hörbaren schluchzern begleitet. Cosmin, der noch immer nicht seine Augen geöffnet hatte, schloss ich noch etwas fester in meine Arme, und meine Wange, ließ ich auf seinem Kopf nieder. Die hübsche, blonde Frau kicherte und kniete sich neben mich, auf den Boden. „Nein, meine Liebe. Ihr seid nicht Tod...“ Wieder lachte sie leise auf. „Im Himmel, ist sicher nicht euer Platz, noch nicht.“ Für einen kurzen Augenblick, hob ich den Kopf leicht an, und warf der Person einen flüchtigen Blick zu. Dann ließ ich mein Haupt wieder auf den silbernen Schopf des Vampirs zurück sinken. „Mutter, wo sind wir hier? Wenn das hier nicht der Tunnel ist, der zum Himmel führt, an was für einem Ort sind wir denn dann hier?“ Ich konnte mir diese ganze Sache nicht erklären. Wir mussten einfach Tod sein!  Warum sonst sollte meine geliebte Mutter, die bei dem Angriff auf meine Heimat, ums Leben kam, neben mir stehen? Ich konnte mich auch nur noch an einzelne Bruchstücke, die geschehen sind, bevor Cosmin und ich hier gelandet waren, erinnern. Einige fehlende Erinnerungen, waren wie ausgelöscht und aus meinem Hirn verbannt worden. „Schließe deine Augen, Stela.“ sagte meine Mutter, Daciana, sanft und legte mir ihre Hand vorsichtig auf die Augen.

Schweißgebadet und mit einem scharfen Atemzug, richtete ich mich ruckartig auf. Meine Haare klebten an meiner nassen Stirn und mein Herz schlug in einem harten und unregelmäßigen Takt, in meiner Brust, doch es kam mir eher so vor, als ob es in meinem Halse steckte. Mein Atem ging schnell und bei jedem Zug, den ich tat, schmerzte meine Lunge arg. „Bleib liegen, Stela!“ rief ein Mann, mit kurzem schwarzen Haar, dass leicht gelockt war und drückte mich behutsam zurück in die weichen Kissen. „Vater!“ rief ich laut und sah mich um. Ich lag in meinem Zimmer, auf dem Bett, dass in einer dunklen Ecke stand und um mich herum, stand meine Familie. Horea, Aurelia, Vater und Mutter. „Du bist sehr krank, Stela. Bleib bloß liegen, denn du musst dich sehr viel ausruhen.“ sprach mein Bruder und lächelte etwas leicht zu mir herüber. Rasch zog ich Aurelia, die auf der Bettkante vor mir saß, an mich ran und nahm sie in meine Arme. „Ich bin so froh, wieder hier zu sein.“ hauchte ich leise und erschöpft, mit geschlossenen Augen.

Aurelia quietschte leise auf, als ich unverhofft meine Arme um ihren Bauch schlang und sie an mich zog. „Stela... Lass mich los...!“ Sie quengelte, doch in ihrer Stimme war etwas, was ihre Worte nicht ernsthaft erscheinen ließ. „Ich kriege kaum Luft!  Stela!“ Das Gesicht der Kleinen wurde etwas rot und schließlich lockerte ich meinen Griff. Seufzend drückte sie sich von mir fort und warf sofort einen fragenden Blick zu meinen Eltern. Mein Vater, Constantin, sah zu meiner Mutter hinüber und fragte: „Wieder hier zu sein? Wovon redet sie, Liebste?“ Die Angesprochene schüttelte mit geschlossenen Augen, den Kopf und lächelte dabei etwas. „Sie hatte wohl einen Traum... Das würde auch erklären, warum sie sich so plötzlich aufgesetzt hat.“ „Einen Traum?“ wiederholte ich leise und starrte regungslos auf die mit Blumen verzierte Tapete.

„Es war nur ein Traum?“ So etwas wie Erleichterung machte sich in mir breit, doch da war noch etwas anderes. Erleichterung und... Enttäuschung? Enttäuscht darüber, dass ich diese zauberhaften Wesen nur in meinen Träumen kennenlernen durfte? Waren Cosmin, Nyria und all die anderen wirklich nur Hirngespinste? Existierten sie wirklich nur in meinen Träumen? Eine seltsame Hitze stieg in mir auf, doch sie war unangenehm und sie nahm mir fast den Atem. Ich setzte mich auf und ein seltsamer grauer Schleier, der meine Umgebung verschwamm, nahm mir die Sicht. Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen und flüsterte erneut: „Es war nur ein Traum... Alles nur ein Traum...“ „Ja mein Schatz. Es war nur ein böser Albtraum, Stela.“ sprach meine Mutter sanft zu mir und wollte mir ihre Hand tröstend auf den Rücken legen. Doch ich schreckte vor ihrer Berührung zurück. „Aber, dieser Traum... Er war so real, Mama.“ Besorgt knieten sich alle vor mein Bett und sahen mich mitleidig an. Doch, dass war seltsam. Nicht, dass meine Familie sich eigentlich schlecht um mich kümmerte, doch so etwas hatte ich bisher nicht erlebt, dass alle vor meinem Bett knieten und sich um mich sorgten. Vater war normalerweise immer bei der Arbeit und hatte für uns keine Zeit. Horea würde mich jetzt, in diesem Augenblick, eigentlich auslachen und mich Heulsuse nennen, doch dieses Mal tat er es nicht. Die einzigen, die wirklich immer da waren, wenn ich krank war, waren Mutter und Aurelia, doch auch dies war merkwürdig, dass sie, so wie es mir schien, die ganze Zeit über an meinem Bett gewacht hatten. Normalerweise kamen sie nur ab und zu nach mir schauen. War ich vielleicht ernsthaft krank? „Beruhige dich, Stela, mein Kind. Träume können oft sehr realistisch wirken. Doch jetzt bist du ja wieder aufgewacht und brauchst keine Angst mehr zu haben.“ entgegnete Daciana mir und lächelte aufmunternd. Ich nickte. „Sagt mal, bin ich ernsthaft krank? Mutter, Vater?“ Ich sah abwechselnd zu dein Beiden, doch als Constantin auf meinem Bett platz nahm, wendete ich meinen Blick von ihnen ab. „Vater, was ist los mit mir?“ fragte ich erneut, als ich sein zögern bemerkte. „Es ist nur eine leichte Lungenentzündung. Der Arzt meinte, wenn du immer schön deine Medikamente nimmst, wirst du schnell wieder gesund.“ „Musst du nicht heute bei der Arbeit sein? Und was ist mit dir Horea? Warum bist du plötzlich so in Sorge um mich?“ „Arbeiten? Nein!  Wenn eines meiner Kinder krank ist, werde ich sicherlich nicht gehen, sondern zu Hause bleiben und auf sie aufpassen. Eure Mutter schafft das alles doch gar nicht allein.“ antwortete mein Vater, Constantin. Doch Horea gab mir nur ein leichtes Schulterzucken auf meine Frage. Dass, was mein alter Herr mir zur Antwort gab, stimmte nicht. Er arbeitete als Sekretär bei Bürgermeister Jaber, und dort gab es immer viel für ihn zu tun. Der Bürgermeister war schon immer ein misstrauischer Mensch gewesen. Den einzigen Leuten, denen er vertrauen schenkte, waren sein Hausarzt Dr. Lúthelan und meinem Vater. Wenn er mal nur für einen Tag frei haben wollte, erlaubte Jaber es nicht, da er keinen anderen für diese Tätigkeiten einstellen wollte. Nur wenn es mal wenig zu tun gab, und das war eher selten, bekam Vater frei.
„Und der Bürgermeister hat dir tatsächlich für heute frei gegeben? Das hat er doch sonst auch nie gemacht... Egal wie krank einer von uns war...“ „Aber natürlich hat er das!  Herr Jaber ist doch ein sehr guter Mensch, Stela.“ Er strich mir kurz über den Kopf und schaute dann hilfesuchend zu meiner Mutter. Doch diese riss nur für einen kurzen Augenblick, vorwurfsvoll die Augen auf. Irgendetwas stimmte hier nicht. Es war etwas faul!  „Bitte, lasst mich etwas allein. Ich würde mich gerne ausruhen...“ murmelte ich leise, und starrte seufzend an die Decke. „Natürlich, Stela. Ich werde schon mal das Abendessen vorbereiten.“ sprach Mutter und lotste die anderen aus dem Zimmer.
Bevor meine Mutter das Zimmer verließ, warf sie noch einen letzten Blick zu mir herüber, dann ging sie hinaus in den Flur und schloss die Türe hinter sich. Ihr Blick, er war so seltsam, unheimlich und er ließ mir beinahe einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen. Noch nie hatte sie mich so angesehen. Es schien fast so, als ob sie etwas böses im Schilde führte und mir misstraute. Für einen Moment lang, kamen Zweifel in mir auf, doch diese versuchte ich mit einem leichten Kopfschütteln verschwinden zu lassen.
Mit einem Ruck erhob ich mich von dem Bett, auf dem ich lag, und schritt zu einem der Fenster. Das Licht der Kerzen, warf flackernde und Furcht erregende Schatten an die Wände. Ich schob die dicken rot schwarz karierten Vorhänge beiseite und sah hinaus. Draußen dämmerte es schon, und am Himmel bot sich mir ein wunderschöner Anblick. Die Wolken, die über mir vorbei zogen, hatten sich in ein wirklich schönes Farbenspiel verwandelt. Am Horizont waren sie dunkelblau und etwas violett, genau über mir waren sie leicht rosa, rot und orange. Auch die Straßen Târgovistes, wurden in dieses bunte Licht gehüllt. Einen Augenblick lang, blieb ich dort wie versteinert vor dem Fenster stehen und sah hinaus, doch plötzlich war ein seltsames Geräusch zu hören und ich fuhr rum. Als meine Augen das Zimmer, nach der Ursache für dieses Geräusch durchsuchten, entdeckte ich plötzlich in einer dunklen Ecke, eine schwarze Gestalt, dessen Haar im Licht, silbern glänzte. „Wer ist da?“ rief ich befangen, und gleich darauf, trat der Fremde in den Schein der Kerzen. Zwei eisblaue Augen funkelten mich an und ich erkannte diese Person sofort. „C... Cosmin!“ Rasch rieb ich meine Augen, da ich mir sicher war, dass die Erscheinung des Silberhaarigen bloß eine Einbildung gewesen war. Doch egal was ich tat, er verschwand nicht. „Also war das alles doch kein Traum. Cosmin, weißt du, wie wir hierher gekommen sind? Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ein weißer Ball auf mich zu geflogen war, und wir plötzlich im Boden versanken. Nyria schrie aufgeregt herum, und es kommt mir so vor, als ob einige meiner Erinnerungen ausgelöscht wurden.“ Der Silberhaarige zuckte mit den Schultern. „Dies hier ist sicherlich so etwas wie eine Illusion oder so etwas ähnliches. Cosmin, wir müssen zurück zu den anderen!  Nyria macht sich bestimmt große Sorgen. Aber wie kommen wir...“ Der Blauäugige unterbrach mich plötzlich. „Ganz ruhig, Stela!“ hauchte er und kam auf mich zu. Er griff nach meinen Händen, blickte mich lächelnd an, und sprach nach kurzem zögern weiter. „Es ist doch ganz egal, wo wir hier sind!  Hauptsache, wir zwei sind zusammen.“ Er legte seinen Zeigefinder unter mein Kinn und hob meinen Kopf leicht an, damit er mir besser in die Augen schauen konnte. „W... Was redest d... Du denn da!?“ stammelte ich und erwiderte seinen Blick. Doch nur für kurze Zeit. „Irgendetwas stimmt nicht mit ihm!  Ich denke, dass Cosmin nie so etwas sagen würde, aber...“ dachte ich und sah an meinem langen, gelben Nachthemd hinunter. „Stela, mir ist es völlig egal, wo ich hier bin,... Hauptsache du bist bei mir. Außerdem, Nyria schafft das schon alleine.“ antwortete der Silberhaarige und zog mich etwas näher an sich heran. Der Gedanke, dass der Blauäugige nicht der zu sein schien, für den ich ihn vor wenigen Minuten noch gehalten hatte, wollte einfach nicht aus meinem Kopf verschwinden. Er verhielt sich genauso seltsam, wie meine Familie und in seinen Augen, lag dasselbe, wie in denen meiner Mutter. Ich zog meine Hände, die der Vampirkrieger noch immer fest in seinen hielt, zurück zu meinem Bauch, und ging einige Schritte von ihm fort.
Als ich einen kurzen Blick in den Spiegel, der neben meinem Bett hing, warf, fiel mir plötzlich alles wie die Schuppen von den Augen. Auf einmal fiel mir alles wieder ein. Wie konnte ich so was nur vergessen? Nun konnte ich mich auch wieder an das erinnern, was Cosmin über diesen weißen Ball, der sich in diese seltsame Masse verwandelt hatte, in der wir versunken waren, erzählt hatte. //Sobald man von diesem Loch verschluckt wird, landet man in einer Traumwelt. Aus dieser kommt man nur schwer wieder raus. Nur Leute mit einem starken Willen, können dies schaffen.// „Das ist also der Grund dafür, dass sich alle so merkwürdig Verhalten, und warum ich hier gelandet bin.“ flüsterte ich mir leise selbst zu und starrte zu Boden. „Stimmt etwas nicht? Stela?“ Die Traumerscheinung von Cosmin, riss mich mit seinen Worten, aus meinen Gedanken. Zaghaft ging ich auf ihn zu, schüttelte meine Haare kurz, da sie mir ins Gesicht hingen, dann sah ich den Silberhaarigen an und sagte: „Auch wenn du sehr nett bist, der echte Cosmin ist mir dennoch lieber!“ Erstaunt hob der Vampir den Kopf und sah mich ungläubig an. „W... Wovon redest du denn?“ Seine Stimme klang fassungslos, aber auch etwas Wut, konnte ich heraushören. Ohne ihn noch eines weiteren Blickes zu würdigen, verließ ich das Zimmer und schloss leise die Tür. Für einen Moment lang, blieb ich noch dort stehen. Der Krieger schien keine Anstalten zumachen, um mir zu folgen. Ein bitteres Lächeln schlich auf meine Lippen, als ich die Treppenstufen, die hinunter in die Küche führten, runter ging. Ich hatte mich dazu entschlossen, mich hier und jetzt, von meiner Familie zu verabschieden. Auch wenn sie nur Figuren aus meinem Traum waren, wollte ich dies tun. Ich konnte ihnen damals nicht sagen, dass ich sie über alles liebe und sie sehr vermissen werde. Ich konnte mich nicht verabschieden, und ich konnte niemanden von ihnen, noch ein letztes Mal drücken oder küssen. Sie wurden einfach so aus dem Leben gerissen, dabei hatten sie noch so viele Dinge zu erledigen, und noch so viel vor. Es war eine verdammte Ungerechtigkeit, dass man sie einfach so umgebracht hat!  Der Tod meiner Familie war so sinnlos, sie hatten doch nie etwas schlechtes getan. Sie alle hatten es nicht verdient, so zu sterben... Und auch wenn es sie nicht zurück bringt, ich werde sie rächen. Jeden einzelnen von ihnen. Und ich habe beschlossen, wenn dies hier alles vorbei ist, für drei zu leben...
„Mutter, Vater?“, sprach ich leise und fuhr nach einer kurzen Pause fort, „I... Ich... Muss euch etwas sagen.“ „Aber natürlich, mein Liebes. Was hast du auf dem Herzen?“ fragte Daciana, die gerade dabei war, ein paar Kartoffeln zu schälen. Vater saß am Küchentisch und blätterte in einer Zeitung, während Horea und Aurelia zusammen herum alberten. „Bitte, ich möchte, dass ihr mir auch wirklich zu hört. Horea, Aurelia!“ Kaum hatte ich zu Ende gesprochen, da herrschte für einen Augenblick stille. Vater hatte die Zeitung zusammengefaltet und fort gelegt, während er sich vom Stuhl erhob und mich ansah. Mutter hatte ihre Hände an einem Tuch trocken getupft und blickte mich ebenfalls erwartungsvoll an, währenddessen sie meine Geschwister dazu brachte, endlich still zu sein. „Nun, was hast du auf dem Herzen?“ wollte mein alter Herr wissen und sah mich ungeduldig an. „Ich... Ähm...“ Diese Gefühle in mir, ließen sich nur schwer in Worte fassen und es fiel mir unheimlich schwer, nach den richtigen zu suchen, und es kam mir fast so vor, dass es eine halbe Ewigkeit dauerte, bis ich diese endlich gefunden hatte. „Auch wenn ihr alle nur Traumgestalten, die nur in meinem Hirn existieren, seid, möchte ich euch dies sagen...“ „Traumgestalten? Wovon redest du, Liebling?“ „Mutter, bitte!  Hör mir zu!“, rief ich und sprach nachdem ich einmal kurz auf geseufzt hatte, weiter, „Ich liebe und vermisse euch, so sehr. Es tut mir Leid, dass ich euch nicht helfen konnte, und heute wünschte ich, ich hätte es getan... Ganz egal, was mit mir geschehen wäre. Ich wünschte, ihr würdet noch leben.“ Tränen stiegen in meine Augen hinauf, und ich musste die Luft tief einatmen, um überhaupt weiter sprechen zu können, ich musste mich stark zusammenreißen, damit ich nicht zu weinen begann. Als ich die durchdringenden Blicke der Gestalten bemerkte, starrte ich mit einem schmerzvollen Lächeln zu Boden, und sprach weiter. „Das was ich fühle, lässt sich nur schwer in Worte fassen... Wenn ich hier in eure Gesichter schaue, scheint irgendetwas, mich innerlich zu zerreißen, mein Körper scheint zu verbrennen. Ich werde nie wieder in eure Augen blicken, oder auch nur eure Stimmen hören können... Doch ich hoffe, dass ihr trotzdem immer bei mir sein werdet. Es würde mich Glücklich machen, wenn ich wüsste, dass ihr mich immer begleitet... Oder mich sehen könntet, egal wohin ich gehe. Ohne eure Nähe, würde ich mich zwar einsam fühlen, aber es würde mir vollkommen reichen, zu wissen, dass ihr bei mir seid. Doch dies werde ich wohl... Nie.. Ach!  Ich fange schon an, wirres Zeug zu faseln.,“ sagte ich und schüttelte leicht den Kopf, und nachdem ich einmal heftig geschluckt hatte, redete ich weiter, „Ich wollte nur sagen, dass ich euch alle nie im Leben vergessen werde... Und ich hoffe, dass Vater noch solange aushält, bis ich wieder bei ihm bin. Nun will ich wieder zurück in die Realität!... Alles was ich sagen wollte, ist gesagt...“


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