Carries komische Werkstatt
  Der Schatz bei den Katakomben
 


Kapitel 12 - Der Schatz bei den Katakomben

Fassungslos, gleichzeitig aber auch erleichtert darüber, dass Aurelia womöglich noch am leben sein könnte, sah ich zwischen Cosmin und Alin hin und her.
„Nun ja, meine Annahme hat sich bestätigt, als ich das hier in dem Geheimgang auf dem Boden gefunden habe.“ mit einem betroffenem Gesichtsausdruck, hielt er mir ein Foto entgegen, auf dem tatsächlich meine Familie und ich zu sehen waren. Starr riss ich ich ihm das Bild aus den Händen und drückte es ganz fest an meine Brust. „Wo hat man sie hingebracht, Alin!?“ verlangte ich entrüstet die Antwort. Der Schwarzhaarige schloss seine Augen und schüttelte bedrückt mit dem Kopf. „Ich weiß es nicht. Ich habe versucht ihnen weiterhin zu folgen. Doch hinter mir tauchten plötzlich Wachposten auf, die jeden Eindringling sofort ohne eine Vorwarnung angreifen. Ich schaffte es gerade noch so, mich mit einer schweren Schnittverletzung durch die Stadtmauer, bis hin zur Villa de lune zu schleppen. Allerdings hatte ich bis dahin eine menge Blut verloren, und auch die Kontrolle über mich selbst. Deswegen war ich gestern Abend so verändert. Als ihr mich wieder fort geschickt habt, bin ich irgendwo zusammengebrochen. Ich wachte erst auf, als meine Wunde von allein wieder verheilt war.“ Beschämt senkte ich den Blick. „Es tut mir Leid, Alin. Ich hätte eigentlich wissen müssen, dass ich dir vertrauen kann.“ „Was mich interessiert ist, wo man sie hingebracht hat. Denn bei den anderen Gefangenen unten in den Zellen, war sie nicht... Und wie hast du uns überhaupt gefunden?“ murmelte Cosmin und blickte den anderen Vampir durchdringend an. „Wie ich schon sagte, ich weiß nicht, wo sie zur Zeit festgehalten wird. Und euch zu finden, war nicht schwer. Ich versuchte heute Mittag noch einmal mein Glück in der Villa de lune, und wollte mit euch reden. Aber Ion sagte mir, dass ihr bereits früh am Morgen zum Schloss aufgebrochen seid. Also bin ich sofort hierher geeilt und habe euch gesucht. Vorhin traf ich zufällig Vinzent und Rafael. Sie konnten mir sagen, wo ich euch finde.“ „Es ist komisch!  Ich habe doch mit eigenen Augen sehen können, wie Aurelia gebissen und getötet wurde...!“ sprach ich meinen Gedanken laut aus und die schrecklichen Bilder dieser grauenhaften Nacht, liefen wie ein Film vor meinen Augen ab. „Naja, sie ist nicht mehr die alte Aurelia, Stela!  Man hat ihr wohl nicht das gesamt Blut ausgesaugt...“ „Das würde ja heißen, dass sie eine von uns geworden ist!“ fiel Cosmin, Alin ins Wort und sah mich besorgt an. Der Schwarzhaarige nickte bedrückt. „Dann musste sie wohl nach ihrem erwachen wieder in unser Haus geflohen sein. Dort hat sie dann dieses Bild gefunden... Oh wo bist du bloß?“ rief ich verzweifelt und heiße Tränen stiegen meine Augen empor. Tröstend legte der Silberhaarige seine Hände auf meine Schultern und sagte: „Wir werden sie schon finden, keine Angst.“
„Ich wüsste vielleicht, wo sie ist.“ sprach Rosa plötzlich und trat hinter mich. Überrascht und voll Hoffnung blickte ich sie an. „Wo?“ verlangte ich die Antwort und sah sie erwartungsvoll an. „Nun, es gibt etwas außerhalb von hier eine Katakombe, wo einige, nun ja ich sage mal, besondere Gäste hingeschleppt werden. Wir sollten unser Glück dort mal versuchen. Ich kann euch hinführen.“
Beschämt wandte Alin seinen Blick von uns ab und sah kleinlaut zu Boden. Er schien in Gedanken nach den richtigen Worten zu suchen. Flüchtig fuhr er sich mit den Fingerspitzen über sein Gesicht und durch sein feuchtes, strähniges Haar.

„Stela, ich habe etwas wichtiges erfahren, was du unbedingt wissen musst!“ rief er plötzlich laut, mit zusammengekniffenen Augen und geballten Fäusten. Er wirkte beinahe so, wie ein kleiner Schuljunge, der etwas angestellt hatte und sich nun dafür entschuldigen wollte. Er machte eine kurze Pause und schluckte den dicken Klos hinunter, der in seinem Hals steckte. „Bitte!  Du musst mich anhören und mir glauben schenken!  Ich weiß wirklich nicht, was in mich gefahren war, gestern Nacht und ich wollte dich nicht Anlügen. Es tut mir schrecklich Leid, glaube mir, bitte!  Es ist wahnsinnig wichtig...“ sprudelte es aus ihm heraus.
Fragend blickte ich zu Cosmin hinüber, in der Hoffnung, er würde mir sagen, was ich nun tun sollte. Doch der Silberhaarige zuckte nur mental mit den Achseln und musterte Alin dann erneut mit kritischem Blick.
Erwartungsvoll sah der schwarzhaarige Vampir zu mir hinüber.
„In Ordnung, Alin. Was ist denn passiert?“ wollte ich von ihm wissen und ging mit einem leisen Seufzen auf ihn zu.
„Als wir gestern Abend von dem Werwolf auseinander gerissen worden waren und uns aus den Augen verloren, irrte ich orientierungslos durch den Wald. Plötzlich konnte ich in der Ferne, Stimmen vernehmen und ich näherte mich ihnen so leise es nur ging. Einige Vampire und Skelette, die den Angriff auf eure Stadt unbeschadet überstanden hatten, zerrten einige Gefangene quer durch das Dickicht, geradewegs auf das Schloss zu. Wir befanden uns nicht sehr weit weg, von der Schlossmauer, in der noch ein geheimer Gang versteckt war. Im schwachen, auflodernden Licht der Fackeln, konnte ich ein kleines blondes Mädchen erkennen. Als man sie nach ihrem Namen fragte, antwortete sie, sie würde Aurelia Bäsescu heißen. Ich war geschockt als ich dies hörte, da ich ja wusste, dass du ebenfalls diesen Nachnamen trägst!“

„Eine Katakombe, sagst du?“ hackte Ethgar erstaunt nach und legte seine Stirn in Falten. Rosa nickte. „Ja, die wenigsten wissen von ihr. Nicht einmal die engsten Vertrauten Draculas, wissen davon. Doch dadurch, dass er mich kontrollieren konnte, durfte ich bei allen Gesprächen und Plänen dabei sein uns so erfuhr ich eines Tages von dem geheimen Gewölbe unter der Erde.“ erzählte die Blonde und klemmte sich eine Haarsträhne hinter das Ohr. „Also habe ich all die Jahre wohl am falschen Ort nach dem Schatz gesucht!  Wenn diese Krypta tatsächlich so geheim ist, dann wird er sicher dort irgendwo versteckt sein.“ stellte der Vampirelf bitter fest und fixierte den Boden mit seinen Augen. „Und du glaubst, dass wir meine Schwester wirklich da finden werden?“ „Ich denke schon, zumindest habe ich gestern auch so etwas mitbekommen, dass wieder jemand dort eingekerkert wurde. Wäre gut möglich, dass sie Aurelia meinten. Allerdings kann ich euch nur zu der Stelle bringen, an der der Eingang verborgen liegt. Ich habe noch nie selbst die Katakomben betreten und sie soll sehr gefährlich sein. Überall lauern Fallen für ungewollte Eindringlinge und die Gruft ist so riesig, dass wir uns schnell in dem Gewirr verlaufen könnten.“ „Wir schaffen das schon. Bring uns dorthin, Rosa!“ meinte Cosmin und warf mir aufmunternde Blicke zu. „Ja, du hast recht!“ murmelte ich leise, auch wenn ich einige bedenken hatte. Wenn es dort wirklich so gefährlich und die Katakombe tatsächlich so groß wäre, wie Rosa es sagte, dann könnte es sehr schwierig werden, Aurelia dort zu finden. Doch trotzdem, wir müssten es versuchen, sie zu befreien. „In Ordnung, gehen wir. Das Gewölbe ist nicht weit weg von hier. Der Eingang befindet sich auf einer kleinen Lichtung ganz hier in der Nähe. Allerdings wird dieser gut bewacht und die Wachen könnten uns ziemlichen Ärger machen!“ meinte die Blonde und sah den Silberhaarigen forsch an. „Naja, was mir eher Sorgen bereitet ist, was uns in den Katakomben erwartet.“ warf Alin schließlich ein. Cosmin nickte zustimmend. „Ja, da muss ich dir ausnahmsweise mal recht geben. Aber wir sollten nicht länger warten und uns endlich auf den Weg machen.“ Er lächelte bitter und machte eine Kopfbewegung zu Rosa, die ihr sagen sollte, dass sie vorgehen solle. Als sich die Vampirlady in Bewegung gesetzt hatte, nahm Cosmin mich bei der Hand und zog mich sanft hinter sich her.

„Ich wünsche euch viel Glück!“ konnte ich plötzlich den alten Mann keuchend sagen hören. Ich blieb stehen und sah zu dem in völlig weiß gehüllten Mönch hinüber, der sich mittlerweile wieder in eine sitzende Postion aufgerichtet hatte und zu uns rüber schielte. Die Hände hatte er zusammengefaltet in den Schoss gelegt, so, wie es beim Beten üblich war. „Ich vertraue in euch!  Der Frieden muss wieder zurückkehren.“ „Ich bin mir sicher, dass wir es schaffen werden. Wir werden Dracula das Handwerk legen und er wird für seine grausigen Taten bestraft, dass verspreche ich euch, mein Herr. Nie wieder, wird er Dörfer überfallen und Menschen töten... Dafür werden wir sorgen.“ murmelte ich selbstsicher und nickte dem Alten dabei inbrünstig zu. Der Pater schloss die Augen und legte den Kopf in den Nacken. „Ja, das glaube ich dir, mein Kind. Ich hoffe ihr werdet das Mädchen finden und den Schrecken ein Ende bereiten. Viel Glück..“ „Danke. Machts gut..“ Mit diesen Worten machte ich auf dem Absatz kehrt und ging davon. Die anderen folgten mir stumm und Ethgar schloss die Türe hinter sich, als wir den riesigen Raum verließen.

Mein schlechtes Gewissen plagte mich. Wie konnte ich nur diesen armen Mann, dort zurücklassen. Doch was sollte ich denn tun? Ihn gegen seinen Willen von hier fort bringen?
„Er wollte es so, Stela!  Mach dir bitte keine Gedanken. Du musst jetzt einen klaren Kopf behalten, sonst bist du unaufmerksam und gerätst in Schwierigkeiten.“ meinte Cosmin plötzlich, als wir im Eilschritt durch den langen Flur, zurück zu der Treppe gingen. Verblüfft sah ich zu dem Größeren hinauf. „Kannst du etwa meine Gedanken lesen, Cosmin?“ wollte ich erstaunt von ihm wissen und ich konnte meinen misstrauischen Blick nicht von ihm wenden. Lachend schüttelte er den Kopf und sein silbernes Haar wirbelte wild durch die Luft. „Nein, sicher nicht!  Nur du sahst so bedrückt aus und ich dachte mir, dass es deswegen war...“ erklärte er und ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen.

Als wir schwerfällig die Treppenstufen hinunter gingen, blickte ich erneut auf das Foto meiner Familie, dass ich noch immer fest in den Händen hielt. „Alin, könnte es vielleicht sein, dass du dort auch noch meine Mutter und meinen Bruder gesehen hast?“ fragte ich den schwarzhaarigen Jüngling und drehte mich kurz zu ihm um. Mit ein paar eiligen Schritten holte er zu mir auf und ging neben mir her. Er spähte auf das Bild und fuhr sich mit den Fingerspitzen durch sein dunkles Haar, dass er sofort danach wieder ordnete und richtete. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen und man sah ihm deutlich an, dass er nachdachte. „Nein, ich glaube nicht. Wenn ich sie dort gesehen hätte, hätte ich sie auf der Fotografie wiedererkannt. Aber ich weiß nicht genau, ich bin mir unsicher. Ich habe eigentlich so gut wie nur, auf deine kleine Schwester geachtet, auf die anderen Gefangenen weniger.“ meinte Alin argwöhnisch und sah mich entschuldigend an. „Vielleicht leben Mutter und Horea ja doch noch!  Wenn, dann hat man sie sicher alle zusammen in ein Verlies gesperrt.“ sprach ich meinen Gedanken laut aus und steckte mir das Bild nachdenklich in die Rocktasche. „Ja, hoffen wir es. Aber keine Angst, wir werden sie schon finden.“ murmelte der Schwarzhaarige erquicklich und legte seinen Arm aufmunternd um meine Schultern. In diesem Augenblick konnte ich sehen, wie Cosmin ihm einen giftigen Blick zuwarf und die Arme vor der Brust verschränkte. Dann wandte er sich Rosa zu und fragte in einem barschen Ton: „Könntest du uns nicht dorthin Teleportieren? Dir müsste es doch mittlerweile wieder besser gehen und so wären wir schneller dort. Wir dürfen keine Zeit verlieren!“ Die Blonde zuckte mit den Achseln und sah uns alle der Reihe nach an. „Hm, wir sind relativ viele Leute, ich weiß nicht, ob ich das schaffe... Aber ich kann es mal versuchen.“ „Du schaffst das schon!  Du musst einfach mehr an dich glauben, Rosa.“ motivierte der Silberhaarige die Vampirmagierin, die daraufhin kaum merklich nickte. „Ja, du hast recht...“


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