Carries komische Werkstatt
  Der dunkle Wald 5
 


Doch plötzlich schreckte ich aus meinen Gedanken hoch. Alin war vor mir stehen geblieben und ich war völlig in Gedanken vertieft, gegen ihn gelaufen. "Endlich haben wir das Tor erreicht." flüsterte der Schwarzhaarige. "Jetzt betreten wir den Boden von Dracula..." Alin drückte die Klinke des Tores nach unten, doch es tat sich nichts. Während Alin zur Felswand schritt und dort nach etwas suchte, blickte ich mich um. Zu unserer Linken und zu unserer Rechten, waren hohe, steile Felswände. Der harte Steinboden war übersät mit feinem Sand und weißem Kalk. Am Rand des Weges, wuchs vereinzelt zwischen den riesigen Steinbrocken Queckengras.
"An was hast du die ganze Zeit über gedacht? Du warst schon den ganzen Tag so seltsam.." wollte Alin wissen und sah mich kurz an. "So schweigsam und du sahst so verträumt aus." Ich zuckte mit den Schultern. "Wenn du es mir nicht sagen möchtest, dann musst du es auch nicht..." sagte er schließlich, als ich nach einiger Zeit noch immer nicht geantwortet hatte. Ich senkte den Blick zur Erde und entdeckte plötzlich etwas glänzendes am Boden. Ich bückte mich und hob es auf. Es war ein kleiner silberner Schlüssel, der auf dem staubigen Grund lag. "Suchst du zufällig hier das?" fragte ich Alin und hob die Hand, in der sich der Schlüssel befand, leicht hoch. Er nickte. Ich steckte das Schlüsselchen in das Loch, und er passte wirklich. Ich drehte ihn zweimal herum, dann drückte ich die Klinke des Portals nach unten. Zögerlich gingen wir weiter. Ich blickte in den Himmel. Von weitem zogen dicke grau-schwarze Wolken heran. "Es sieht so aus, als würde ein Gewitter auf uns zukommen." Ich nickte zustimmend. Einen kurzen Augenblick erhellte ein Blitz die trostlose Ebene, am Horizont erhoben sich winzig die Bäume eines weiteren Waldes und die Türme des Schlosses. Meine Augen wurden groß. Kurz nach dem Aufleuchten, gab es einen lauten Knall, gleich einer gewaltigen Explosion. Wie auf ein Signal nahm die Stärke des Sturmes rapide zu. Blitze zerrissen den Himmel und spalteten Bäume. Der kühle Wind umwehte meine Beine, flatterte unter meinem Rock und kühlte meine feuchte Haut. "Ich finde es seltsam, dass uns bisher nur so wenige Feinde begegnet sind." stellte ich beunruhigt fest und schaute mich mit verschränkten Armen um. //Doch was ich noch viel seltsamer finde ist, dass du dich hier so gut auskennst...//, fügte ich schnell in Gedanken hinzu und blickte aus dem Augenwinkel zu ihm hinüber. "Da hast du recht!  Das ist wirklich äußerst eigenartig. Aber es ist vielleicht auch ganz gut so, sie würden uns nur aufhalten... Und nun komm!  Wir müssen rasch weiterziehen." sagte er darauf und knüpfte sich seinen Mantel zu, da es etwas frostig wurde. Mein Blick hing für einige Momente an den zeltartigen Schlosstürmen. //Was uns da wohl erwarten mag..// fragte ich mich. "Kommst du?" Ich blinzelte kurz und nickte dabei leicht. Dann gingen wir weiter den Kalkweg entlang.

"Alin, ich kann nicht mehr!  Lass uns doch bitte eine kleine Pause machen." jammerte ich und meine Schritte wurden immer wackeliger und langsamer. Ich hatte jetzt bestimmt schon einige Zeit lang gebettelt, doch Alin war bisher hart geblieben. "Du weißt das wir jetzt keine Pause machen können, schau dich doch mal um!" Es war Vollmond. Die Himmelsscheibe bestrahlte uns, und wir schienen silbern zu leuchten. Der Wind strich pfeifend durch den Wald und der Regen rauschte in dichten Strömen über mein Gesicht und über die Schultern. "Bitte!  Nur eine ganz kurze Pause. Bitte..." Sanft legte ich meine Hand auf seine Schulter und sah ihm in die Augen. "Ja ja, meinetwegen." murrte Alin und kleine Krater bildeten sich auf seiner Stirn. "Aber nur ganz kurz." Ich lächelte zufrieden und nickte. Schnell lief ich zu einem riesigen Felsbrocken und setzte mich. Ich massierte meine Waden und Schultern, die höllisch schmerzten. Doch plötzlich raschelte hinter mir etwas. Ich stand auf und trat näher an die Hecken heran. "Alin, hier ist etwas..." Meine letzten Worte gingen in einem erstickenden Schrei unter, als ich einen Satz nach hinten machte. "Da ist irgendein Vieh!", erklärte ich mit pochendem Herzen. Ich hatte mich ganz schön erschrocken, als das behaarte Wesen auf mich zugesprungen kam. "Pass auf!  Das ist ein Werwolf!" schrie Alin und wenige Augenblicke später, schleuderte er eine blaue Energiekugel in unsere Richtung, doch er verfehlte nur knapp das tierähnliche Geschöpf. "Verdammt!  Er ist zu schnell!" fluchte mein schwarzhaariger Begleiter. Der Werwolf hatte lange Nägel, die sehr spitz waren und er hatte dickes, dichtes haselnussbraunes Fell. Der Wolf knurrte und ließ mich nicht aus den Augen. Doch plötzlich begann er zu rennen. Ich zuckte kurz zusammen, dann lief ich zick zack zwischen den Bäumen hin und her, hinter mir waren die Schritte und das Hecheln des Werwolfs zuhören. Als ich bemerkte, dass meine Schritte immer langsamer wurden, warf ich mich gegen einen der Bäume und drehte mich um. Ich konnte mich gerade noch ducken, als das Tier auf mich zusprang. Wegen meiner hervorragenden Reaktion, krachte der Wolf in den Baum. Holz splitterte und ein großes Loch war nun in dem Gehölz. Rasch sprang ich auf und lief weiter, doch der Werwolf war wieder auf den Beinen und jagte mir hinterher. Nach einiger Zeit, trat ich aus dem Wald heraus. Eine lange schwarze Mauer zog sich quer über den Weg und in der Mauer war ein halb verfallenes Tor - der Weg führte gerade, über einen Erdspalt, hinein und im Ring der Mauer lag das Schloss, ein gewaltiger, vielgetürmter Bau. Oben im Gewirr der Türme und Türmchen kreischten Eulen. Kein einziges Fenster war erhellt - schwarz ragte der ganze Bau empor zum dunklen Himmel. Vor dem Zugang, konnte ich einige leuchtende Gestalten sehen, die mir langsam entgegen schritten. Es waren zwei schwächlich wirkende Feuergeister, die übermütig auf mich zugetrampelt kamen. Ich schleuderte ein riesiges Feuergeschoss auf die Feinde, der die Beiden einige Meter zurück warf. Doch sehr schnell hatten sie sich wieder aufgerappelt. Einer der Beiden klopfte sich selbst einmal auf die, nur aus Glut bestehende, Schulter, um nachzuprüfen, ob noch alles dran war, doch dann kamen sie wieder unmittelbar auf mich zu. Hastig sah ich mir über die Schulter. Zwei rot glühende Augen taxierten mich, ein sabberndes, schleimiges Wolfsmaul knurrte wütend, und vier lange, spitze, im Mondschein glänzende Reisszähne trugen auch nicht gerade zur Entspannung der Situation bei. Das Vieh sah gefährlich aus und es jagte mir furchtbare Angst ein, als es einige Schritte auf mich zu kam. Angesichts der prekären Situation hielt ich es für angebracht, einen Energieball in Aktion treten zu lassen. "Jedes mal, wenn ich den Gedanken fassen möchte, dass es nicht mehr schlimmer kommen könnte, werde ich einige Momente später eines besseren belehrt.." murmelte ich, während ein kleiner blauer Ball in meiner Hand entstand. Doch plötzlich, ringsum mir erschien ein greller Schein, die ganze Umgebung leuchtete hell auf und war nur noch ein einziges Weiß. Ich kniff die Augen zusammen, um nicht geblendet zu werden. Die Kreaturen hatte ich nicht mehr sehen können in den grellen Weiten. Doch als ich ein Auge einen Spalt weit öffnete, erblickte ich sie, wie, in einem seichten Rot gehüllt, und sie warfen zwei große Feuerbälle auf mich. Im letzten Augenblick konnte ich ausweichen, doch der Wolf wurde getroffen und verdampfte sofort.


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