Carries komische Werkstatt
  Draculas Schloss
 


Kapitel 6 - Draculas Schloss
 

Ich seufzte tief und bemerkte das meine Beine zu zittern begannen und fast so weich wurden wie Pudding. „Dann wollen wir mal.“ sagte die Grauhaarige und ging voraus.
Ich konnte es einfach nicht verstehen. Wie konnte Nyria bloß so ruhig bleiben? War sie wirklich so Mutig und wollte mit aller Gewalt ihren Liebsten wieder haben, oder wusste sie gar nicht, worauf sie sich da eingelassen hatte und wie gefährlich es da drin werden würde. Ich war mir sicher, dass es kein Zuckerschlecken werden würde. Und auch Cosmin schien nicht solche Angst zu spüren wie ich, obwohl er wahrscheinlich wusste, was uns im Schloss erwarten würde. Er schien zwar ein wenig unsicher zu sein, das wars dann aber auch.
„Versuch die Tür so leise wie es nur geht zu öffnen...“ hauchte Cosmin kaum verständlich, der Magierin zu. Diese nickte heftig, nahm den Türknauf in die Hand und drehte ihn nach links. Langsam schob sie die morsche Tür einen Spalt weit auf und streckte ihren Kopf hindurch. „Hm... Hier ist niemand. Kommt!“ Nun drückte sie den Eingang ganz auf und wimmerte plötzlich: „Aua!  Ich habe mir einen Splitter eingefangen...“ Cosmin seufzte genervt und ging an ihr vorbei in die riesige gut ausgeleuchtete Halle. „Zeig mal her.“ sagte ich und nahm Nyrias Hand. „Ach ja, der ist doch ganz klein.“ „Es tut aber trotzdem fürchterlich weh!“ rief sie und steckte sich jammernd den Finger in den Mund. „Sei leise oder willst du das wir entdeckt werden!?“ fauchte der Silberhaarige und funkelte Nyria an, die beleidigt etwas vor sich hin brummelte. Ich nahm sie sanft am Arm und zog sie hinter mir her, bis wir bei Cosmin angekommen waren.
Die Wände waren mit Wandteppichen behangen und deren Motive zeigten einen riesigen Vampir mit langem schwarzen Haar und einem roten Umhang. Dies sollte wohl Dracula darstellen. Unterbrochen wurde diese Teppichwand von mehreren großen Fenstern, deren Rahmen buntes Glas einfassten und aus dem Boden der Halle ein Spiel der Farben und bizarren Formen machten. Die Fackeln, die in der zugigen Luft wild hin und her tanzten reichten nicht im geringsten, um den Raum auszuleuchten. Die Decke war sehr hoch und jedes kleinste Geräusch verursachte ein leises Echo.
„Wo geht es nun lang?“ wollte ich wissen und sah Cosmin fragend an. „Als erstes gehen wir am besten hinunter ins Verlies. Vielleicht finden wir dort Fumé. Dann würde ich sagen, gehen wir zu Assiru. Den müssen wir besiegen, um weiter nach oben zu gelangen. Er versperrt nämlich den Weg zu den anderen Türmen.“ „Assiru,... Assiru!  Diesen Namen habe ich schon einmal gehört. Furchtbares erzählt man sich von ihm...“ sagte Nyria und wurde blass. „Das ist doch dieses Hundemonster, nicht wahr? Es tötet alles, was sich ihm in die Quere stellt...“ Der Silberhaarige schloss die Augen und bejahte diese Frage. „Um genau zu sein, er ist ein Werwolf, kein Hundemonster!  Ich muss schon sagen, ein fieser Geselle ist er wirklich. Aber keine Angst... Den schaffen wir schon!  Er sieht schlimmer aus, als er in Wirklichkeit ist. Hier im Schloss werden uns noch bei weitem....“ Ich unterbrach den Vampirkrieger und nuschelte kaum verständlich: „Psst!  Da kommen die Wachen!“ Rasch schob ich die Beiden hinter eine der Säulen, und gespannt beobachtete ich die beiden Skelettwachen, die wohl auf dem Weg zu ihren Posten waren. Erleichtert atmete ich auf, als die zwei Wächter in einen anderen Raum verschwunden waren. Doch plötzlich fing Nyria seltsam zu atmen an und nieste schließlich laut. „Ups...“, ächzte sie kurz und lächelte bitter. Sofort kamen die Knochenmänner zurück in die Halle gestürmt und entdeckten uns letztlich. Ohne zu denken und mit ein paar geübten Handgriffen hatte Cosmin sein Schwert, dass er sich auf den Rücken geschnallt hatte, aus der metallbeschlagenen Scheide gezogen und ging in die Verteidigungsstellung, seinen Beidhänder parallel zum Erdboden, stand er unbewegt da. Dann griff er plötzlich ohne Vorwarnung einen der Gegner an, der versuche mit seinen Klauen die Schläge des Silberhaarigen abzuwehren. „Nyria!  Geh in Sicherheit und heile uns, falls etwas passiert!“ rief ich der Grauhaarigen zu, die sofort in eine sichere Ecke floh.
Nachdem ich mich kurz konzentriert hatte, ließ ich einen riesigen blauen Energieball in meiner Hand erscheinen und schleuderte ihn auf die andere Totenwache. Dieser fing ihn aber mit den Händen auf, doch der Ball drückte ihn nur ein wenig zurück, dafür wurde er aber immer größer und größer. „An deiner Stelle würde ich ihn los lassen, denn irgendwann wird er zu riesig und stark für dich sein. Du würdest von ihm verschluckt werden. Wenn du ihn jetzt los lässt, dann wirst du weniger leiden müssen.“ rief ich dem Skelettmann zu. Doch dieser schrie zähneknirschend: „Träum weiter, Püppi!“ Schließlich konnte mein Gegner den Energieball unter Kontrolle kriegen und schmiss ihn auf mich zurück. Rasch sprang ich nach oben und der Ball verpuffte unter mir. Als ich wieder Boden unter den Füßen hatte, rannte ich schnell auf ihn zu und tritt ihm gegen die Beine, so dass er hinfiel. Ich streckte meine Hand aus, und ließ einen kleinen, aber flotten und starken Feuerball auf ihn zu sausen. Er konnte nicht mehr ausweichen und verdampfte.
Ich fuhr herum, als ich das Geräusch von Stahl auf Stahl hörte. Mein Begleiter machte einen Satz auf den Knochenmann, holte aus und erledigte das Monster. Der klägliche Todesschrei des abstoßenden Wesens ging mir durch Mark und Bein und jagte mir einen eisigen Schauer über den Rücken.
„Ich bin wohl schon etwas eingerostet. Ich hätte etwas mehr trainieren sollen...“ murmelte der Silberhaarige, während er sein Schwert mit einer fließenden Bewegung und einem leisen Sirren zurück in die Scheide steckte. „Eingerostet?“ fragten Nyira und ich gleichzeitig im Chor und sahen den Vampir ungläubig an. Cosmin nickte heftig und sagte darauf: „Ja, ich habe schon mal besser gekämpft, aber für diese schwachen Wesen reicht mein Können vollkommen aus.“

Nachdem für kurze Zeit stille geherrscht hatte, schlug ich schließlich vor, dass wir besser weitergehen sollten, bevor noch mehr dieser Kreaturen auftauchten. Cosmin ging voran, da er sich ja bestens hier im Schloss auskannte. Der Silberhaarige führte uns an das Ende der Halle und wir stiegen eine riesige Treppe hinab und bogen ungefähr bei der Hälfte der Steige nach links ab. Der Gang, in dem wir gelandet waren, hatte keine Fenster und er war nur mit einigen Kerzen auf beiden Seiten beleuchtet. Dieses spärliche Licht verschaffte dem Korridor eine unangenehme und bedrohliche Tiefe, die sich in einem schwarzen Nichts verlor. Ich hatte das Gefühl, dass dieser Effekt durch das schlichte graue Mauerwerk und durch die massiven Holztüren verstärkt wurde. Die Luft war stickig, verbraucht und es roch moderig. Als wir am Ende des Gangs ankamen, bogen wir nach rechts ab, in einen weiteren. So ging es einige Zeit. Immer wieder gingen wir nach links oder rechts. Doch irgendwann standen wir vor einer großen Holztür, deren Scharniere mannshoch waren. „Seit kampfbereit!  Wir werden da drin sicherlich auf Gegner stoßen.“ sagte der Vampirjüngling und öffnete mit diesen Worten den Zugang.
Langsam betraten wir den Raum und stellten fest, dass dort keine Wachen waren. Also konnten wir nun etwas aufatmen. Hinter den dicken Gittern der Zellen, waren auf engstem Raum zehn junge Frauen und Männer eingesperrt. Einige von ihnen saßen zusammengekauert auf der Erde und vergruben ihre Gesichter in den Händen. Andere sahen sehr erschöpft und krank aus. Bis auf ein paar alte Stühle und ein paar dreckige Wolldecken, hatten diese Menschen nichts hier.
Es war kalt. Sehr kalt sogar. Mein Atem bildete große, weiße Wolken vor meinem Gesicht und meine Lippen begannen zu zittern. Auch Nyria schien zufrieren. Denn ihr gesamter Körper schlotterte und sie hatte zum Schutz vor der Kälte die Arme verschränkt. „Ist dein Verlobter unter den Gefangenen?“ wollte Cosmin nach einiger Zeit wissen und sah das blasse Mädchen ernst an. Die Magierin schüttelte enttäuscht mit dem Kopf und seufzte: „Nein, Fumé ist nicht hier... Ich hoffe, dass sie ihm nichts angetan haben.“ „Keine Sorge, Nyria. Ihm geht es sicherlich gut und wir werden ihn bestimmt bald finden... Da bin ich mir sicher.“ meinte ich und legte meinen rechten Arm tröstend um sie.

„Sucht ihr jemanden?“ fragte plötzlich eine beruhigende Frauenstimme. Ich erblickte die Unbekannte, die sich vor uns gestellt hatte und mit ihren zarten Händen die Sprossen umschlang. Sie hatte langes, braunes Haar und ihr Pony nahm ihr fast die Sicht. Ihre tiefen braunen Augen glänzten im Schein der Kerzen, als sie uns von oben bis unten musterte. „Ja, wir suchen meinen Verlobten. Sein Name ist Fumé...“ Die Fremde überlegte für einen kurzen Augenblick und sagte dann: „Gestern wurde ein junger Mann namens Fumé hier, bei uns im Kerker eingesperrt... Aber dann wurde er plötzlich..."  „Psst, seid still...“ rief Cosmin plötzlich und unterbrach somit die Gefangene. Er stellte sich vor die Türe, drückte sein Ohr gegen die Tür und lauschte angestrengt. „Ich kann laut und deutlich Schritte vernehmen!  Es kommt jemand!“ „Oh nein, was machen wir denn nun!? Was ist, wenn wir entdeckt werden...? Wir sitzen in der Falle!“ sagte Nyria mit aufgeregter und bebender Stimme. „Ihr seid also Eindringlinge, die hier gar nicht hin dürfen. So so. Hm... Wenn ihr mir versprecht, dass ihr uns hier raus holt, dann helfe ich euch!“ sprach die Frau und lächelte triumphierend. „Aber wenn ihr nicht wollt, dann...“ „Ja, natürlich helfen wir euch, doch gerade im Moment ist das etwas schlecht.“ sprach ich darauf hastig und sah sie verzweifelt an. „Hm, in Ordnung, ich glaube dir.“ sagte sie und sprach nach kurzem zögern weiter: „Seht ihr dort unten das Loch in der Wand? Wenn ihr dort drunter her kriecht, gelangt ihr in die alten Folterräume. Diese werden schon sehr lange nicht mehr benutzt, da es nun neue Kammern gibt. Dort könnt ihr euch vorerst verstecken, denn ich denke nicht, dass ausgerechnet heute jemand dort hinein gehen wird. Morgen Früh, wenn die Wachen sich ablösen, könnt ihr hierher zurück kommen. Dann lasst ihr uns schnell raus und anschließend können wir uns aus dem Staub machen.“ Mit dem Finger zeigte sie ab und zu auf den schmalen und niedrigen Korridor. „Wir danken dir von ganzem Herzen,...“ „Mein Name ist Freya. Und nun geht, ich wünsche euch viel Glück!  Und vergesst nicht, uns zu helfen!“ Ohne zu zögern krochen wir durch die kleine Öffnung in dem alten Mauerwerk und in dem Moment, wo wir den dunklen Raum erreicht hatten, konnten wir hören, dass sich die Holztür im Kerkerraum öffnete.
„Das war nun wirklich Haarscharf!“ flüsterte Nyria. „Aber warum mussten diese Blödmänner gerade dann kommen, als sie erzählen wollte, was mit Fumé passiert ist?“

In dem Raum der tausend Qualen war es dunkel und kalt, aber wir waren hier in Sicherheit. An den Wänden waren vereinzelt ein paar schmale Holzpritschen befestigt und überall lagen verstreut die unterschiedlichsten Wesen in den verschiedensten Verwesungsstadien herum. Die Folterinstrumente glänzten, die Klingen und Zangen, die Sägen und Brandeisen. Alles war dort zu finden. Ein Opfer lag sogar noch auf der Streckbank. Der Geruch von totem Fleisch ließ mich würgen, ehe ich mich der Schwärze hingab. Mein Kopf sankt auf die Brust, meine Augen schlossen sich und dann hüllte mich die Bewusstlosigkeit ein. Doch leider nur für ein paar Sekunden, denn Cosmin und die Magierin holten mich aus der Schwärze, die viel angenehmer war, als dieser Raum, zurück. Als ich die Augen öffnete, fand ich mich in Cosmins armen wieder, der mir besorgt in die Augen sah. „Ist alles in Ordnung, Stela?“ fragte Nyria leise, die sich über mich gebeugt hatte und mir ein aufmunterndes Lächeln zu warf. „Ja, es ist nur dieser fürchterliche Geruch und...“ ich brach den Satz ab, als ich in die eisblauen Augen des Schwarzgekleideten sah. Ich war mir sicher, dass er mir den kurzen Zusammenbruch als Schwäche anrechnete und mich für ein schwaches und hilfloses Mädchen hielt. Errötet und beschämt richtete ich mich in eine sitzende Postion auf und starrte die Spitzen meiner Schuhe an. Der Vampir hatte mir seine rechte Hand sanft auf den Rücken gelegt und blickte mich unsicher an. „Und es geht dir wirklich gut!? Du bist ziemlich blass...“ fragte er dann nach kurzer Zeit. Ich nickte und warf dem Silberhaarigen ein leichtes Lächeln zu, um ihm zu zeigen, dass mir wirklich nichts fehlte. Zuerst hob er eine Augenbraue, als er mich musterte, erwiderte dann aber die Geste leicht. „Ja du hast recht, Stela. Dieser Geruch ist schon fast lähmend. Aber so wie es ausschaut, müssen wir die Nacht hier verbringen... Komm ich helfe dir auf.“ meinte Nyria und streckte ihre Hände nach mir aus. Doch bevor sie mich überhaupt erst berühren konnte, hatte Cosmin meinen linken Arm über seine Schulter gelegt, seine Linke hatte er unter meiner Kniekehle, dann hob er mich ohne Probleme hoch und trug mich zu einem der kleinen dunkelbraunen Hocker. Ich hatte beide Arme um seinen Hals geschlungen, während er mich trug und betrachtete ihn immer wieder heimlich, bis er mich schließlich abgesetzt hatte. „Ich würde sagen, dass du erstmal was isst und dich dann schlafen legst. Morgen wird ein anstrengender Tag werden und so schnell wirst du nicht mehr die Gelegenheit dazu haben.“ sagte der Krieger, deutete auf den braunen Beutel den ich von Câtâlin bekommen hatte und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Rasch schüttelte ich mit dem Kopf und entgegnete ihm: „Nein, ich kann nichts essen... Nicht hier drin..“ Cosmin zuckte mit den Schultern und seufzte: „Wie du meinst.“ Er lehnte sich gegen den alten Holztisch und starrte zu Boden, ab und zu konnte ich sehen, dass er aus dem Augenwinkel heraus zu mir spähte. Nyria hatte sich einen anderen Sitz zu uns gezogen und starrte ebenfalls auf die dreckige Erde. Ich sog die Luft scharf ein und für ein paar Augenblicke herrschte Stille, bis plötzlich ein leises Magenknurren den dunklen Raum durchdrang. Die Grauhaarige lächelte beschämt und hauchte ihrem nach Essen schreienden Magen zu: „Sei bloß still!  Das ist ja peinlich!“ Ich kicherte leise, nahm eine belegte Stulle hervor und gab es der hungrigen Nyria. „Was? Ähm, danke!“ Gierig schlang sie die Stulle hinunter, ab und zu verschluckte sie sich fast.


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