Carries komische Werkstatt
  Arme Nyria 4
 


Nyria nickte mit dem Kopf und machte ein ernstes Gesicht, dabei wickelte sie sich eine ihrer grauen Strähnen um den Zeigefinger. Sie blickte kurz zu dem Blonden hinüber, dann sah sie zu mir. „Und du wirst wirklich dorthin kommen, wenn du deine Sachen hier erledigt hast?“ Ich bejahte ihre Frage mit einem leisen Lachen und einem Schulterzucken. „Natürlich, wenn ich es dir doch sage. Umsonst schicke ich euch sicher nicht dorthin. Allerdings weiß ich noch nicht, wann ich kommen werde... Bis ich hier fertig bin, kann es noch etwas dauern..!“ Die Grauhaarige griff nach Fumés Hand und sagte: „Egal wie lange es dauern wird, wir werden bei der Villa auf dich warten und hoffen, dass du unversehrt wiederkehrst.“ Mit diesen Worten ging sie einige Schritte auf den Ausgang des Raumes zu, blieb dann aber stehen und drehte sich wieder zu mir um. „Ich kenne zwar nicht deinen Grund, warum du Dracula stürzen möchtest, aber ich wünsche dir viel Glück und du wirst ihn mir sicher erzählen, sobald wir uns wiedersehen. Pass gut auf dich auf, Stela, und sag Cosmin bitte, dass ich auch ihm von ganzem Herzen dankbar bin, dass er auf mich aufgepasst und mir geholfen hat. Wir treffen uns dann bald an der Villa de lune wieder, bis dann!“
Nyria und Fumé hoben ihre Arme in die Luft und winkten mir zum Abschied. Ich tat es ihnen gleich und rief: „Ja, bis bald!“ Wehmütig lächelnd, zog ich meine Beine an die Brust, umschlang diese mit meinen Armen und sah dabei zu, wie die Beiden die Tür der Halle öffneten und verschwanden.

„Ich hoffe, wir werden uns schon bald wiedersehen, Nyria...“ dachte ich seufzend und ließ meinen Kopf in den Nacken fallen. Ich lehnte ihn etwas gegen die Wand hinter mir und starrte an die Decke des Raumes. Nichts war zu hören und es war fast so leise wie in einer Gruft. Nur ab und zu konnte man das monotone Quietschen der alten Kronleuchterkette hören. Nachdem ich für lange Zeit so vor mich hin gestarrt hatte, ließ ich meinen Blick zu dem Zauberbuch wandern. Zaghaft öffnete ich es und blätterte darin herum, bis mir plötzlich ein Zauberspruch, der in roter Tinte und in einer kaum leserlichen Schrift geschrieben war, ins Auge fiel. Einige Male versuche ich ihn stumm zu entziffern, bis es mir schließlich gelungen war. Ich legte mir das Buch auf den Schoss und sprach den Spruch laut aus.

„Wenn sich der Blutmond rundet in einer dunklen Nacht, werde ich auf die Erde zurück gebracht!“

Wieder legte ich meinen Kopf in den Nacken und überlegte. „Hm, Blutmond!? Ich habe schon einmal davon gehört... Aber ich habe noch nie einen gesehen. Angeblich soll er nur alle zweihundert Jahre zu sehen sein...!  Ein seltsamer Spruch!  Ob er einen wiederbeleben kann!?“
Ich ließ mich etwas zurück sinken und bemerkte, wie langsam meine Augen zu fielen. Ich versuchte krampfhaft gegen die Müdigkeit anzukämpfen und die Augen offen zu halten, doch in binnen von wenigen Minuten, musste ich eingeschlafen sein.

Ein sanftes und vorsichtiges Streicheln weckte mich etwas später auf. Einen Moment lang, fühlte ich mich, als ob ich in meinem Bett liegen würde und meine Mutter strich mit eine Strähne meines schwarzen Haares auf die Seite und drückte mir einen zarten Kuss auf die Stirn. Doch dann spürte ich den kalten und harten Boden unter mir, auf dem ich zusammengekauert lag, und meine schmerzhaften Erinnerungen kamen mit Eindringlichkeit zurück. Jedoch blieb das Sanfte streicheln, und als ich meine verschlafenen grünen Augen etwas öffnete, sah ich genau in ein von Maden zerfressenes Gesicht mit weißen, etwas herausstehenden Augen. Ein Ghul tatschte mit seinen verwesten und schleimigen Fingern in meinem Gesicht herum. Sofort stieß ich einen lauten und gellenden Schrei aus, meine Augenlider presste ich fest zusammen. Als ich bemerkte, wie der Ghul meinen Hals mit seinen glitschigen Händen umschlang und zu Boden drückte, riss ich meine Augen wieder weit auf und rang röchelnd nach Luft. Doch sein Griff war erbarmungslos und Übelkeit kam in mir auf, als sein schmieriges Gesicht sich zu mir neigte und er sein sabberndes Maul, mit seinen verfaulten Zähnen aufriss und die vereiterte Zunge hinaus streckte. Vor meinen Augen erschienen weiße Punkte und ich dachte, ich würde schon bald ohnmächtig werden, bis plötzlich eine schwarz gekleidete Gestalt neben uns trat und sein im Licht blitzendes Schwert an mir vorbei fuhr. Die Person hatte dem Zombie den Kopf abgetrennt und ein seltsames Gemisch aus Blut, Eiter und anderen Flüssigkeit ergoss sich über meinen Körper. Ich schreckte auf und drückte meinen Körper gegen die Wand, bevor ich nach Luft rang und mich würgend übergab.

„Ist alles in Ordnung mit dir, Stela!?“ fragte der Schwarzgekleidete und legte mir seine Hand auf die Schulter. Keuchend sah ich mich um und wagte es erst jetzt, in das Gesicht meines Retters zu blicken. Tränen stiegen in meinen Augen hinauf, als ich die Person erkannte und dann fiel ich ihm rasch um den Hals. „Oh Cosmin!“ Meine Fingernägel bohrten sich in seinen dünnen Mantel, als er zögernd seine Arme um mich legte. Nachdem der Silberhaarige sich umgeschaut hatte, fragte er zaghaft: „Wo ist Nyria?“

Langsam ließ ich mich wieder nach unten auf den Boden sinken, schloss die Augen und senkte den Kopf, so, dass mir einige Haarsträhnen zerzaust ins Gesicht fielen. Meine Hände legte ich ineinander gefaltet in den Schoss, dann hob ich meinen Blick wieder zu dem Gesicht des Silberhaarigen, der besorgt zu mir hinunter sah.

„Ist Nyria etwa was passiert!?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und murmelte leise: „Nein, ihr geht es gut, und wir haben auch Fume gefunden,“ ich machte eine kurze Pause, sprach dann aber weiter, „aber ich habe sie fort geschickt, weil ich nicht wollte, dass ihr noch etwas schreckliches passiert, jetzt, wo sie ihren Liebsten wieder hat. Sie wartet in der Villa de lune auf uns...“ Cosmin kniete sich vor mich nieder und legte mir seine Hände auf die Schulter. Verzweifelt suchte ich den Blick seiner faszinierend blauen Augen, in der Hoffnung darin etwas Trost zu finden. Doch seine Augen schienen meinen auszuweichen. „Bist du traurig, weil sie gegangen ist, oder glaubst du, dass du sie nicht wiedersehen wirst?“ Ich zuckte wehmütig mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Es ist natürlich schade, dass sie uns nun nicht mehr begleitet, doch solange es ihr gut geht, bin ich Glücklich. Aber was ist, wenn ich hier nicht lebend raus kommen werde, Cosmin!? Ich habe ihr versprochen, sobald hier das alles überstanden ist, dass ich ganz viele Sachen mit ihr unternehmen werde, und ich habe Angst, dass ich es nicht halten kann.“ Ein leises Schluchzen entwich meiner Kehle, als ich nach dem Arm des Silberhaarigen griff und ihn fest mit meinen Fingern umschlang. „Dir wird nichts passieren!  Ich bin doch bei dir, und ich werde dich beschützen, selbst wenn ich mein Leben dafür lassen muss, Stela. Dass habe ich dir versprochen, erinnerst du dich? Ich werde dafür sorgen, dass du Nyria wiedersehen wirst, mach dir keine Sorgen. Du wirst hier lebend wieder raus kommen und dann kannst auch deinen Vater wiedersehen.“ Sanft legte er seinen Zeigefinger unter mein Kinn und hob mein Gesicht, dass ich während er sprach wieder zur Erde gerichtet hatte, etwas an, dann strich er mir einige meiner schwarzen Haarsträhnen aus der Stirn und warf mir ein aufmunterndes Lächeln zu. Kurz erwiderte ich dieses und nickte.
„Ich danke dir, Cosmin.“ flüsterte ich ihm leise zu und umschlang seinen Körper mit meinen Armen. Er legte eine Hand auf meinen Hinterkopf, und mit der anderen streichelte er mir langsam über den Rücken.

„Es reicht jetzt!“ rief Rosa wütend, als sie neben uns getreten war und mir vernichtende Blicke zu warf. Erschrocken ließ ich von dem Silberhaarigen ab und starrte beschämt auf die Schuhe der Blonden. Rasch erhob sich der Vampirkrieger und griff unsanft nach Rosas Arm. „Was soll das!?“ fragte Cosmin die Blonde in einem harschen Ton, als sich seine Miene verfinsterte. „Du weißt genau, was das soll!  Ich mag es nicht, wenn eine andere in deinen Armen liegt... Immerhin gehören wir zwei zusammen.“ Der Blauäugige stieß ein verachtendes Zischen aus und öffnete gerade den Mund um darauf etwas zu erwidern, doch Ethgar trat aus einem Schatten hervor und sagte: „Hört auf euch zu streiten. Dafür ist jetzt nun wirklich keine Zeit!  Wir sollten uns lieber Gedanken darüber machen, wohin wir als nächstes gehen. Die ersten beiden Etagen der umliegenden Türme haben wir nun schon abgesucht... Jetzt fehlt nur noch der zweite Stock des Hauptturms. Soviel ich weiß, werden dort irgendwo ein paar Mönche festgehalten. Die können wir befreien und dann sehen wir weiter.“


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