Carries komische Werkstatt
  Die Schlossmauer 2
 



Als ich mich hier oben umschaute, bemerkte ich das Skelett, dass mit zwei Eisenhandschellen an der Wand befestigt war. Für kurze Zeit fragte ich mich, warum er dort hing. Hatte er vielleicht auch versucht Dracula zu töten? Plötzlich erschrak ich. Ein lautes rauschen, ein helles Licht und eine unbeschreibliche Hitze brachte mein Herz erneut zum Pochen. Als ich mich umschaute sah ich direkt vor mir eine riesige Flamme, die aus der Erde schoss. Ich wich vorsichtig zurück und auf einmal verschwand sie wieder dort, wo sie herkommen war. Während ich darüber nachgrübelte, wie ich über den zweiten Abgrund zur dritten Treppe kommen würde, schoss die Flamme erneut aus dem Boden. Und das wiederholte sich einige Male. Es kam und ging. Ich beobachtete die Flamme und bemerkte, dass sie immer in den gleichen Abständen erschien. Ich lächelte. Gerade als die Flamme wieder erloschen war, stellte ich mich über das Loch wo sie heraus geschossen kam, nahm etwas Anlauf und sprang über den tiefen Spalt. Gerade als ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht wieder aufrichtete, da ich mit den Rippen auf die Stufenkante geprallt war, kam sie wieder zum Vorschein. Auf allen Vieren krabbelte ich die Stufen hinauf. Ab und zu machte ich halt und legte die Hände auf die schmerzende Rippe. Nach einiger Zeit kam ich endlich im obersten Stockwerk an. Hier schien es am gefährlichsten zu sein. Überall waren Abgründe, Hackebeile, die von der Decke stürzten und wieder nach oben gezogen wurden und die gefährlichen Feuerlöcher, aus denen die Flammen schossen. All das erschwerte es mir, die nächste Tür, die ich von hier aus schon sehen konnte, zu erreichen. Nachdem ich mich etwas von dem stechenden Schmerz erholt hatte, sprang ich über den ersten kleinen Spalt zu einer der Stützen, und von dort aus direkt zur nächsten. Doch nun wurde es schwierig. Auf der nächsten Säule vor mir, war eines der Feuerlöcher und auf der Strebe danach, war das lebensgefährliche Fallbeil. //Was soll ich bloß tun? Das schaffe ich doch nie!// dachte ich und kniete mich auf den kalten Boden nieder. Konzentriert beobachtete ich die nächsten beiden Streben. "Kurz bevor die Flamme zurück in ihrem Loch verschwindet, fällt das Fallbeil nach unten." murmelte ich und zupfte an meinen schwarzen Haaren. "Also muss ich kurz nachdem die Flamme erloschen ist auf die Strebe springen und sobald ich ein leises Zischen höre, muss ich auf die nächste hüpfen und dann sofort weiter. Dann habe ich es schon fast geschafft." Kurz atmete ich ein und dann tat ich das, was ich vor einigen Augenblicken noch vor mich hin gemurmelt hatte. Als das Flämmchen in seinem Loch verschwunden war, sprang ich sofort auf die Steinsäule und als ich das Zischen hörte, dass mir sagte das die Flamme nun rauskommt, hüpfte ich auf die nächste Stütze, wo das Fallbeil schon fast bis ganz oben hochgezogen wurde. Mit Anlauf sprang ich sofort weiter.
Froh darüber, dass ich auch diese Hürde überwunden hatte, sah ich mich noch einmal kurz um und dann ging ich weiter. Ich legte leicht meine Hand auf die rostige Türklinke und fragte mich, was mich bloß hinter ihr erwarten würde. "Vielleicht ein riesiges Monster mit einem ekelhaften sabbernden Maul oder eine Gruppe von Vampiren, die mir mein Blut aussaugen wollen." murmelte ich leise und umschlang dann die komplette Klinke mit meiner Hand und drückte sie nach unten. Bereit dazu, jeden Angriff abzuwehren oder gar das was mich erwarten würde anzugreifen, betrat ich den Raum. Die Wand die mich umgab, war schwärzer als jede Nacht und ich kam mir etwas verloren in ihm vor. Meine Schritte hallten durch den düsteren Raum, bis ich zum Stillstand kam. Totenstille beherrschte die Kammer und zwei weiße Kerzen, die schon fast bis unten hin abgebrannt waren, versuchten ihn mit aller Macht auszuleuchten. Ich wagte es kaum zu atmen, als ich dort bewegungslos herum stand. Durch offene Lüftungsschlitze die knapp unterhalb der Decke waren, wehte eine kühle Brise, von draußen herein. Als ich mich umschaute, sah ich von weitem ein helles Licht leuchten, dass mich magisch anzog. Mit langsamen Schritten ging ich auf dieses Licht zu und als ich ihm näher kam, konnte ich ein seltsames Objekt dort stehen sehen. //Wie lang ist dieser Raum denn noch?// fragte ich mich nach einiger Zeit und warf einen flüchtigen Blick über meine Schulter. Nach einer halben Ewigkeit, kam ich endlich an dem seltsamen Objekt an, dass ich von weitem kaum erkennen konnte. Es war eine Art Brunnen, aus dem klares und eiskaltes Wasser spritzte. Als ich ihn genauer betrachtete, sah ich, dass etwas in ihm drin steckte. Es sah aus wie ein goldener Griff, der aus dem Brunnen ragte. Nachdem ich mir die künstlich erzeugten Wasserfälle, die hinter dem Brunnen waren, angesehen hatte, entschloss ich mich dazu, nachzuschauen, was in dem Stein steckte. Ich streckte den Arm aus, umschlang den goldenen Griff mit der Handfläche und mit aller Kraft zog ich den Gegenstand nach oben. Kurz bevor ich ihn ganz aus dem Stein ziehen konnte, ließ es sich nicht mehr bewegen. Ich wich einige Schritte zurück und bemerkte, dass ein wunderschönes Schwert in dem Brunnen steckte. Langsam bewegte ich mich wieder etwas näher an die Wasserstelle ran und kniete mich staunend vor sie. Doch plötzlich bebte der Boden unter meinen Füßen und die Wände schwankten. Erschrocken schreckte ich hoch und sah mich hektisch um. Nichts war zu sehen. Der Boden zeigte noch nicht mal Spuren, dass er jeden Moment einzustürzen drohte. Ängstlich wich ich einige Schritte zurück und stolperte in das klare Wasser. Ich blieb solange in dem kalten Nass sitzen, bis das Beben unvorhergesehen wieder verschwand. Langsam und noch immer etwas geschockt, richtete ich mich auf und sah mich zitternd um.

Während meine Augen den dunklen Raum durchsuchten, quetschte ich meine nasse Kleidung zwischen meine Fingern und einige Wassertropfen klatschten mit einem leisen Geräusch auf die Erde. Als meine Augen erneut ein helles Licht sahen, ging ich unmittelbar auf es zu. Vor mir machte sich ein schmales Loch in der Erde breit, aus dem das Licht kam. Ich sah hinunter und bemerkte, dass eine Leiter hinunter in einen weiteren Raum führte. Ohne zu zögern, kletterte ich die Sprossen hinunter und sah mich um. Ich stöhnte laut. "Oh, jetzt bin ich ja wieder hier gelandet." schwafelte ich mit rauer Stimme. Doch dann bemerkte ich, dass sich eines der Gittertüren geöffnet hatte. Bevor ich mich durch das schmale Schlupfloch presste, warf ich einen lakonischen Blick zu der aufwändig verzierten Eisentür, die ich lieber nicht öffnen wollte. Dann quetschte ich mich schließlich in den abgeschotteten Raum, in dem nur ein paar Kerzenständer und eine große Steintreppe waren. Mit einem flauen Gefühl im Magen stieg ich die Stufen hinauf, bis ich einem dunklen Gang widerstrebend näher kam. Er war feucht und dunkel. Durch die spärliche Beleuchtung in dem Korridor, wirkte es, als ob Schatten an den alten Gemäuern wie verzerrte, überdimensionale Grimassen hinauf krochen. Ich presste meine Hand auf den Brustkorb und ging ängstlich den länglichen Flur entlang. Merkwürdige, fremde krächzende Geräusche drangen durch die Wände und es klang, wie das schreien eines gepeinigten Tieres. Ich lief ein wenig schneller. Furchtsam sah ich mich immer und immer wieder um, aber ich schien völlig allein zu sein. Zumindest war nichts zu sehen. Ich lief schneller und mein stoßweiser Atem hauchte kleine graue Nebelwolken zur schwarzen Decke. Als ich an einer weiteren Tür angekommen war, verharrte ich für einige Momente des Unbehagens vor ihr. Doch als diese furchtbaren Geräusche immer lauter wurden, öffnete ich die Tür die zu einem weiteren Raum führte einen Spalt weit und spähte hinein. Niemand schien dort zu sein, also öffnete ich sie und schloss sie schnell wieder, da der seltsame Lärm nun unerträglich wurde. Rasch nahm ich den langen Kerzenständer, der gleich neben dem Eingang war, und klemmte ihn so zwischen die Türklinke, dass man sie nicht richtig runter drücken konnte.

Mit schweifendem Blick schaute ich durch den Raum. Es herrschte eine unheimliche Stille. Nur das hallen meiner Schritte wirkte gespenstisch in den kahlen Gemäuern. Plötzlich versperrte mir eine riesige Treppe den Weg. Abgesehen von der Steige, die noch weiter nach oben führte, war nichts weiter in diesem kahlen Raum zu finden. Langsam schritt ich die Stufen hinauf, während ich meine Arme verschränkte, um mich etwas vor der hier herrschenden Kälte zu schützen. Am Ende der Treppe erreichte ich zunächst eine weitere Tür, die mich zu einem langen Korridor führte. Ich ging zwischen den Säulen, die sich über den langen Gang reihten, und sah mich staunend um. Links und rechts, zwischen den Säulen, waren kleine Zellen, in denen Gefangene ängstlich auf dem kalten und feuchten Boden kauerten. Am Ende des Korridors war eine schwere Holztür, die nach draußen führte.


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