Carries komische Werkstatt
  Draculas Schloss 2
 


Nachdem sich Cosmin kurz umgesehen hatte, fragte er: „Wo wollt ihr die Nacht eigentlich Schlafen? Wo meinst du, ist es am weichsten und bequemsten, Stela?“ Zweifelnd blickte ich mich in der Kammer um. Wo konnte ich wohl am bequemsten Schlafen? Meine Augen blieben spontan an einem kleinen Tisch haften, der in einer Ecke stand und unter ihm ein recht dicker, weicher Teppich lag. Ich streckte langsam die Hand aus und deutete auf ihn. Kurz schaute ich zu Nyria und lächelte, dann sagte ich: „Ich denke, dass ich dort am besten Schlafen könnte... Nur der Tisch müsste weg.“ Mit ein paar schnellen Schritten ging er zu dem Möbelstück und leicht anhebend trug er es in eine andere Ecke. Beeindruckt davon, mit wie viel Eleganz er das tat, beobachtete ich ihn dabei. Mit einem leichten Kopfschütteln brachte ich mich davon ab, an Cosmin zu denken. Schließlich setzte ich mich auf den Teppich, der wirklich so weich war, wie er aussah, auch wenn er ein klein wenig kratzig war – man konnte aber auf ihm schlafen. Rücklings ließ ich mich herab sinken und drehte mich schließlich auf die Seite, den Kopf legte ich auf meine Hände und die Beine zog ich etwas an. „Gute Nacht...“ murmelte ich leise und ließ meine Augen dann zufallen. „Es wird sicherlich kalt werden, ich schlage vor, dass du dir auch ein warmes Plätzchen suchst.“ Konnte ich Cosmin zu der Weißmagierin sagen hören, dann schlief ich ein.

Ich hatte das Gefühl, dass ich kaum eingeschlafen war, als ich wieder aufwachte. Ich schlang zitternd die Arme um mich und schauderte leicht. Es war genau wie der Silberhaarige gesagt hatte, unglaublich kalt geworden und wie die Kälte draußen war, wollte ich gar nicht wissen. „Mist... So kann ich doch nicht schlafen!“ Ich zitterte etwas und meine Glieder begannen plötzlich zu schmerzen. Es kostete mir einiges, nicht laut mit den Zähnen zu klappern, denn das hätte den Vampir nur auf mich aufmerksam gemacht. Auch die Bemühung, mich durch anhauchen meiner Hände etwas zu wärmen, scheiterten kläglich und so blieb ich bibbernd und frierend auf dem Boden liegen. Plötzlich bemerkte ich, wie Cosmin mit diesen Worten zu mir gekrabbelt kam: „Es gibt eine Möglichkeit, wie dir warm wird... Aber sie wird dir bestimmt nicht gefallen!  Körperwärme.“ Ich öffnete überrascht wieder die Augen und blickte den Silberhaarigen, dessen Augen in dieser Dunkelheit zu leuchten schienen, an. Kurz verlor ich mich in diesem Anblick, doch dann besann ich mich wieder auf seine Aussage, welche für mich völlig überraschend gewesen war. Mir war nicht bewusst gewesen, dass seine Sinne dermaßen scharf waren, oder war ich einfach nur sehr laut gewesen. „W.. Was? Körperwärme? Wie.. Wie meinst du das?“ Genau wie der Rest meines Körpers, zitterte auch meine Stimme deutlich. In meinem Hinterkopf kam ein Gedanke zutage, ein Gedanke, der mir jedoch, anders als Cosmin gesagt hatte, alles andere als missfiel. Genau genommen ließ er mein Herz einen kleinen Sprung machen und Aufregung in mir hochkommen. „Wie ich das meine? Ist doch ganz einfach. Anstatt du alleine schläfst, lege ich mich ganz eng zu dir, so wird dir warm. Es ist zwar nicht angenehm, aber so holst du dir wenigstens nicht den Tod..“ Mit diesen Worten umschlang er mich. „Ich sagte ja, dass es dir nicht gefallen wird, aber es wird die Nacht noch kälter und eine Grippe wäre nicht gerade angebracht.“ Irgendetwas schien in meinem Magen herumzuflattern, als ich die beiden starken Arme spürte, die sich um mich geschlungen hatten. Ich brauchte gar nicht näher zu ihm zu rücken, denn der Vampirkrieger zog mich schon ganz dicht an sich, sodass mein Kopf an seiner warmen Brust ruhte. Wieder schloss ich meine Augen und ich spürte, wie mein Herz immer schneller schlug. Kalte und heiße Schauer liefen mir den Rücken hinunter und irgendwie war es ein schönes Gefühl. Schon bald hatte ich die Kälte vergessen und genoss nur noch die Berührungen meines gut aussehenden Begleiters an meiner Seite.  „Es stört mich nicht, nicht im geringsten...“ flüsterte ich. Er hob erstaunt seine silberne Augenbraue und murmelte: „Dann ist ja gut.“ Anschließend schloss er die Augen und legte seinen Kopf auf meine Schulter. Ich glitt in einen seltsamen Dämmerzustand, in dem nur Cosmin, seine Berührungen, seine Wärme und sein Geruch zu existieren schien.

Ich sah mich aufgewühlt um. „Das kann doch nicht sein!“ rief ich aufgeregt. Ich lag zu Hause in meinem Bett, in meinem Elternhaus. Mein Herz schlug wild und meine Haare klebten schweißdurchtrennt an meinem Haupt. Durch das offene Fenster drang mit der Nachtkühle, das monotone Läuten der Kirchglocken. Sofort sprang ich auf und lief nach unten. „Mutter!  Vater!?“ rief ich verzweifelt, doch niemand antwortete. „Horea... Aurelia!? Seid ihr da?“ Doch auch drauf kam keine Antwort. Die Zimmer des Hauses wurden in ein seltsames rot schimmerndes Licht getaucht und der Gestank von brennendem brannte in meiner Nase. Mit einem leisen Quietschen öffnete ich die Haustür und da!  Mir stockte der Atem. Der kalte Pflasterstein der Straßen war übersät mit Leichen und hundert, nein, sogar an die fünfhundert Vampire standen wie eine Mauer vor mir. Die Häuser um mich herum wurden von Flammen aufgefressen und eine unglaubliche hitze umhüllte mich. Ich kniff die Augen fest zusammen, in der Hoffnung dem, was ich sah, entfliehen zu können, doch der Traum setzte sich fort...

Mit einem scharfen Atemzug fuhr ich aus meinem Traum auf, ich versuchte es zumindest, denn irgendetwas hielt mich fest. Panik machte sich in mir breit, als ich den festen Griff an meinem Oberkörper spürte. Ich war mir nicht sicher, wo ich war und was mich festhielt. So versuchte ich mich panisch und leise wimmernd, von dem, was mich umschlang, zu befreien. „Ist alles in Ordnung, Stela?“ fragte der Silberhaarige leise und ließ mich langsam aber sicher los. Cosmins Stimme holte mich zurück in die Wirklichkeit. Mir wurde wieder bewusst, dass es seine Arme gewesen waren, welche mich umklammert hatten, um mich zu wärmen. Nun wusste ich auch wieder, dass wir in Draculas Schloss waren, in einer Folterkammer. Meine Panik ging ein wenig zurück und ich versuchte nicht weiter, mich aus seiner Umarmung zu befreien, die mir jetzt wieder so schützend und zärtlich vorkam. „Ich... Ich war...“ Den Satz, den ich eigentlich sagen wollte, ging in einem leisen Schluchzen unter. Das was ich gesehen hatte, war einfach zu viel gewesen. Weinend suchte ich den Blick von Cosmins blauen Augen, in der Hoffnung, darin etwas Trost zu finden, doch der Vorhang der Tränen, welche mir die Sicht nahmen und alles verschwimmen ließen, machten dies unmöglich. Mit einer ruckartigen Bewegung, die Arme um den Hals des Vampirs schlingend, presste ich meinen Körper, der leicht zitterte, an seinen. Sanft legte er seine rechte Hand auf meinen Rücken und sagte: „Stela, es war bloß ein Traum.“ Er seufzte leise und schlang schließlich wieder seine Arme um mich. Ich war mir sicher, dass er in diesem Augenblick nicht recht wusste, was er machen sollte und das er sich ziemlich hilflos vorkam. Zärtlich strich er mir über das Haar und sprach: „Bitte, hör auf zu weinen, Stela.“ „Lass mich niemals allein...“ Obwohl meine Stimme nicht mehr als ein Flüstern war, bebte sie dennoch leicht, und hatte einen flehenden Ton. Etwas überrascht musterte Cosmin mich und flüsterte mir ebenso leise zu: „Ich werde dich nicht alleine lassen. Ich versprach es damals Radu und jetzt verspreche ich es dir.“ Nur langsam beruhigte ich mich in seinen Armen. Das Zittern und Schluchzen verebbte, doch trotzdem lockerte ich meinen Griff um den Hals des Kriegers nur ein bisschen. Gerade soviel, dass ich meinen Kopf auf seine Brust legen konnte. „Danke..“ Meine Hand glitt über Cosmins Hinterkopf und über sein seidiges, langes Haar und kam schließlich auf seinem Schulterblatt zur Ruhe. Eine Strähne seines silbernen Haares fiel ihm ins Gesicht, als er seinen Kopf ein wenig senkte. Vorsichtig hob ich die Hand und strich sie zuerst zur Seite, dann streichelte ich ihm sanft über den Rücken.

Doch plötzlich war ein lauter Knall, der gefolgt von einem Poltern war, zu hören. Die Türe des Verliesraumes wurde ruckartig aufgeschoben und fiel so gegen die Wand. „Ihr sollt sofort hoch in den Versammlungsraum kommen. Es ist ein Eindringling gesichtet worden. Die Gefangenen können wir vorerst allein hier lassen, die werden schon nichts anstellen.. Und jetzt kommt, beeilt euch.“ rief eine aufgeregte Männerstimme zu denen, die Wache in dem Kerker schoben. Ich zuckte in den Armen des Silberhaarigen zusammen und sah zu ihm herauf. „Einen Eindringling? Die meinen doch wohl nicht etwa uns, oder?“ fragte ich unsicher meinen Begleiter. Dieser zuckte nur mit den Achseln und sagte: „Ich weiß es nicht. Aber ich denke das sie nicht uns suchen, sonst hätten sie doch schon längst Alarm gegeben.“ „Ja, du hast recht. Aber wenn sie jetzt alle in Alarmbereitschaft sind, werden sie sehr gut aufpassen und das wird und alles erschweren.“ sprach ich darauf und ließ meinen Kopf wieder auf seiner Brust nieder. Der Blauäugige nickte und seufzte, dann legte er sein Kinn auf meinen Kopf.


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