Carries komische Werkstatt
  Böse Überraschungen 2
 


Schützend stellte sich Alin vor mich und streckte seine Arme der Länge nach aus. „Nur über meine Leiche!  Ich werde nicht zu lassen, dass du ihr etwas antust!  Wenn du sie töten willst, dann musst du erst einmal an mir vorbei!“ brüllte er den Grafen an und ein helles Leuchten erschien in seiner rechten Hand. Dracula lachte. „Wie du willst, das kannst du gerne haben!“ entgegnete der Vampir mit den langen schwarzen Haaren und sprang mit erhobener Klinge auf Alin zu. Dieser wich im letzten Moment aus und schmetterte seinem Gegner einen Energieball entgegen. Mit voller Wucht wurde Dracula von ihm getroffen, doch er kämpfte einfach weiter und verzog nicht einmal seine Miene. Es hatte den Anschein, als ob das Geschoss ihm nichts ausgemacht hätte. Erschrocken wich der junge Vampir zurück und bereitete sich auf seinen nächsten Angriff vor, doch plötzlich verfiel der Graf in einen Laufschritt und schleuderte Alin durch eine kleine Mauer, die den Friedhof umgab.
„Du bist schwach, und das obwohl du ein Vampir der ersten Klasse bist. Ich bin froh, dass du die Seiten gewechselt und dein Amt als einer meiner Diener niedergelegt hast. Denn du bist unfähig, solche Leute wie dich, konnte ich eh nicht gebrauchen, Schwächling!“ murmelte Dracula auftrumpfend, während er langsam auf mich zu kam. Erschrocken robbte ich über den Boden in Richtung Ausgang. „Stela, verschwinde... schnell!“ schrie Alin, nachdem er sich wieder aufgerüttelt hatte und sah, dass die Schritte des fiesen Vampirs immer schneller wurden.
Plötzlich spürte ich einen stechenden Schmerz in meinem Rücken und ich sah mir kreischend über die Schulter. Dracula hatte mich eingeholt und sich mit seinem Fuß auf mein Rückrad gestellt. „Du brauchst nicht traurig sein, kleine Stela!  Du wirst deine Lieben schon bald wieder sehen. Hast du noch ein paar letzte Worte?“ säuselte er und hielt mir seinen Beidhänder entgegen. „Lass mich!“ lärmte ich verzweifelt und robbte weiter über den Boden. „Sicher nicht, stirb!“

Die Klinge des Grafen schnellte auf mich zu, als ich plötzlich Schritte vor mir vernahm. Dann war ein Geräusch von aufeinander prallendes Metall zu hören. Ein seltsam geschwungenes Schwert hatte den Angriff des Schwarzhaarigen pariert. Silbernes Haar, das im Sonnenuntergang rot schimmerte, wurde vom heftigen Wind umher gewirbelt und zwei sanfte blaue Augen fixierten mich.
„Cosmin, du hier? Gott sei Dank!“ rief ich jauchzend und Freudentränen stiegen in mir auf. „Nyria hat meine Wunden geheilt und Ethgar gab mir etwas von seinem Blut. Ich fühle mich wie neugeboren.“ sprach der Silberhaarige und lächelte mir zu, während er Dracula von sich von stieß. Plötzlich kamen auch Ethgar, Rosa und Nyria hinzu und der Graf staunte nicht schlecht. „Ihr seid ja wie die Ratten!  Man wird euch einfach nicht los, ihr Quälgeister.“

Die Blonde lachte verächtlich auf und hielt sich eine Hand vor den Mund, als sie murmelte: „Das musst du gerade sagen, dich Fiesling wird man doch auch nicht los!  Und die einzige Ratte, die ich hier sehe, bist du!“ „Hör auf ihn zu provozieren Rosa!  Wenn er wütend ist, hat er noch mehr Kraft.“ hauchte Ethgar in ihr Ohr, während er mit der flachen Hand leicht auf ihre Schulter schlug. „Du hast eine ziemlich große Klappe!  Mit der Sklavenkrone hast du mir besser gefallen...“ entgegnete Dracula und in seinen Augen war ein Funkeln zu sehen. Von hinten schlich sich Alin an den Grafen heran und ohne eine Vorwarnung, sprang er auf ihn zu und verwickelte ihn zusammen mit Ethgar in einen Kampf.
„Ihr zwei bringt Stela in Sicherheit, wir Männer werden uns in der Zwischenzeit um Dracula kümmern!“ forderte Cosmin die beiden Mädchen auf, die mich sofort hochzogen und mich an den Armen davon schleiften. „Nein Cosmin, das ist zu gefährlich!  Dracula ist viel zu stark für uns, wir haben keine Chance!“ rief ich dem Silberhaarigen zu. Doch dieser hörte nicht, da er den anderen zur Unterstützung herbei eilte.

Hastig zerrten mich Rosa und Nyria über die Friedhofsmauer in Richtung Wald. Immer wieder schaute ich mir über die Schulter, bis ich schließlich nur noch die vielen Bäume hinter mir sehen konnte. Ich machte mir große Sorgen!  Was war, wenn Dracula es schaffte, die drei so schwer zu verletzten, dass sie in Starre fallen würden oder er sie sogar tötete? Ich wollte nicht auch noch Cosmin und die anderen verlieren!
„Mache dir keine Sorgen, Stela!  Sobald ich deine Wunden geheilt habe, werden wir ihnen helfen.“ sprach Nyria, als sie meine besorgten Blicke bemerkt hatte. Bitter Lächelnd nickte ich ihr zu, als plötzlich einige Vögel verängstigt zum Himmel hinauf stiegen und kreischten. Aber auch die anderen kleinen Waldbewohner wurden durch die Schritte meiner Freundinnen aufgescheucht und suchten sich ein neues sicheres Versteck. Der Wald um uns herum war so dicht, dass nicht einmal der Regen seinen Weg durch die dichten Baumkronen fand.

Schließlich kamen wir an einer Lichtung an und ich ließ mich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Wiese nieder. „Lass mich mal dein Bein sehen.“ sagte Nyria, als sie sich neben mich gekniet und ihre Hände sanft auf den gebrochenen Knöchel gelegt hatte. Doch plötzlich durchdrang ein seltsames Rascheln die unheimliche Stille, die hier auf der Lichtung herrschte. Erschrocken fuhren wir zusammen und sahen uns misstrauisch um.


„Was war das?“ fragte Rosa flüsternd, als sie ihren Blick umher schweifen ließ. „Das war sicher nur ein Tier. Die sind doch ganz aus dem Häuschen wegen uns!“ antwortete Nyria flüsternd, doch sie glaubte scheinbar selbst nicht an das was sie sagte. Denn ihre Stimme klang trotz des leisen Tons aufgeregt. Doch auf einmal erklang von weitem Cosmins angestrengte Stimme die schrie: „Dracula warte!“ Entsetzt sahen wir uns an. Nyrias Gesicht war kreidebleich geworden, als sie die Worte des Silberhaarigen vernahm. „Er ist uns gefolgt, wir müssen uns irgendwo verstecken!“ murmelte ich leise und kroch auf allen Vieren hinter einen Baum, wo ich mich flach auf den Boden legte. Meine Freundinnen taten es mir gleich und gespannt lauschten wir in die Luft – doch nichts geschah, es blieb still.

Als schließlich auch nach einigen Augenblicken nichts zu hören war, richtete ich mich auf und sah mich neugierig um. Nichts und niemand war zu sehen, Dracula und Cosmin mussten wohl eine andere Richtung eingeschlagen haben. Doch plötzlich erschien über mir ein helles Licht, dass mich panisch aufschreien ließ. Der Graf war, ohne das ich es bemerkt hatte, auf den Ast eines Baumes gesprungen und sein Schwert reflektierte die letzten Sonnenstrahlen.
„Stela, pass auf!“ kreischte Cosmin, der mitten auf der Lichtung stand und auf mich zu rannte. Im Bann von Dracula gefangen, konnte ich mich nicht mehr bewegen, mein Körper war in meiner Panik vollkommen erstarrt. Hilfesuchend fixierten meine Augen verzweifelt den Silberhaarigen, bis plötzlich ein quälendes Stechen meine linke Brust durchbohrte und mir fast den Verstand zu rauben drohte. Aus meinem Körper ragte ein Dolch. Blut lief in kleinen Rinnsalen an mir hinunter und tropfte dann zu Boden, wo es nun schon eine winzige Lache gebildet hatte. Ich sah auf zu dem Grafen, während ich atemlos zur Seite kippte. Mein Blick schweifte über die Landschaft, der Himmel war nur noch zart gerötet und ich dachte an die vielen Kämpfe. Glänzend und Ehrenvoll hatte ich gesiegt, doch es war alles nichts wert. Ich hatte soviel erreicht.
Würde nun alles enden?

Mein Puls raste und die Umrisse der Umgebung ringsum mich herum, begannen zu verschwimmen, während ich nach Atem ringend vergebens versuchte, die kurze Klinge aus meiner Brust zu ziehen. Das letzte was ich sah, waren Cosmins tränenverschleierte Augen. Dann wurde es still und für kurze Zeit verspürte ich keine Schmerzen mehr. Doch in den nächsten Sekunden fand ich mich in den Armen des Silberhaarigen wieder und ich sah immer noch wie gelähmt in den Himmel.
„Stela, sag doch etwas!“ Stela,... wie fremd mir doch plötzlich mein Name war. Alle möglichen bekannten Gesichter – wie es mir jedenfalls schien – beugten sich über mich. Noch immer war alles verschwommen, nur den Jungen mit dem silbernen Haar konnte ich deutlich erkennen. Meine Atemzüge waren krampfhaft und schmerzlich, ich bekam nicht annähernd so viel Luft, wie ich sie brauchen könnte. Keuchend hob ich meine blutverschmierten Hände und legte sie auf Cosmins Wange. Auf seiner blassen Haut hinterließen sie rote Spuren, doch es war ihm egal.
Die vielen Stunden, die ich mit ihm verbracht hatte, waren die schönsten meines Lebens gewesen und ich war so unendlich dankbar dafür, ihn kennengelernt zu haben. Doch jetzt hatte ich nur noch einen Wunsch: Ich wollte Cosmin einen Abschiedskuss geben.
Unter starken Qualen richtete ich mich auf, und für kurze Zeit bette ich meinen Kopf auf der Schulter des Vampirs. Meine Fingernägel bohrten sich tief in seine makellose Haut, als meine Lippen die seine berührten. Tränen quollen mein Gesicht hinab - für einen Moment lang, schien die Welt still zu stehen und eine angenehme wärme durchströmte meine Adern. Doch plötzlich fühlte ich mich schwach und meine Augenlider fielen zu, egal wie sehr ich mich bemühte, diese offen zu halten. Kurz darauf wurde es dunkel und ich glitt in eine mir unbekannte Welt.



ENDE


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