Carries komische Werkstatt
  Arme Nyria
 


Arme Nyria

„Sag mal Rosa, gibt es noch andere Möglichkeiten, außer der Sklavenkrone.., um jemanden zu kontrollieren?“, fragte ich die blonde Vampirin und fuhr nachdem ich eine kurze Pause gemacht hatte, fort., „Du hast doch lange Zeit an Draculas Seite und hier im Schloss verbracht, du müsstest das doch wissen oder nicht?“ Rosa sah mich verwundert an. Erst schien es so, als ob sie nicht antworten wöllte, da sie pikiert zu Boden sah, doch nach einigen Augenblicken antwortete sie zögernd: „Ja,... Rikane kann mit Hilfe eines Zauberspruchs, Menschen willenlos machen und sie dann manipulieren. Dazu braucht sie keine Sklavenkrone. Warum fragst du?“ Ich schüttelte mit dem Kopf und schloss kurz meine Augen. „Das heißt, hier im Schloss könnten duzende Unschuldige herum laufen, die von Dracula und Rikane kontrolliert werden und uns aus dem Grund angreifen!? Wir könnten so viele Schuldlose töten...“ Die Blonde nickte. „Ja, so ist es.“ sagte sie nur und legte sich eine Hand auf den Nacken.
Nyria, die sich in der zwischenzeit um die Wunden des Silberhaarigen kümmerte, fragte: „Wohin gehen wir denn als nächstes?“ Cosmin überlegte und meinte dann: „Ich schlage vor, dass wir erstmal die restlichen Räume hier unten, nach Fumé absuchen. Soviel ich weiß, soll Rikane neben der Bibliothek ihre Behausung haben. Vielleicht können wir etwas aus ihr rausquetschen. Allerdings sollten wir uns trennen...“ Nyria nickte und rief mit verfinsterter Miene: „In Ordnung, ich werde dann zu Rikane gehen... Ich habe noch eine Rechnung mit ihr zu begleichen. Vielleicht ist Fumé ja auch bei ihr. Stela, möchtest du mit mir kommen?“ „Natürlich!  Gut, dann gehen Nyria und ich zu Rikane und ihr sucht die restlichen Räume ab!?“ Der Silberhaarige sah ernst die Weißmagierin und mich an. „Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist, dass ihr zu der alten Hexe geht. Sie ist bestimmt schlau und beherrscht sämtliche Zauber.“, er machte eine kurze Pause und sprach dann weiter., „Rosa, es wäre mir lieber, wenn du dich in Sicherheit bringst. Geh zur Villa de lune... Und du Ethgar, würdest du mit mir gehen? Wir haben einiges zu besprechen...“

Rosas Augen funkelten, als sie protestierend ihre Arme vor der Brust verschränkte. „Nein, ich werde nicht gehen!  Ich will hier an deiner Seite sein, Cosmin!  Wir gehören zusammen, das weißt du doch...“ beschwerte sie sich. Sie kniete sich neben ihn, schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn auf die bleiche Wange. Noch im selben Augenblick, sah sie mit einem triumphierenden Lächeln zu mir herüber. In mir stieg eine eigenartige Hitze hinauf und eine seltsame Unruhe machte sich in mir breit. Ein hauch von Eifersucht, verschleierte meine Sinne. Am liebsten hätte ich Rosa eine schellende Ohrfeige verpasst, da sie es wagte Hand an Cosmin zu legen, doch mit einem Kopfschütteln versuchte ich diesen Gedanken aus meinem Hirn zu vertreiben. Ich schloss meine Arme um mich und beobachtete die beiden. Der Silberhaarige blickte sich hilfesuchend um, doch von Nyria und Ethgar bekam er nur ein aufforderndes Nicken. Zögernd befreite er sich aus der Umarmung der Blonden und drückte sie sanft von sich weg. Er flüsterte Rosa etwas leise zu, so leise, dass ich es nicht verstehen konnte. Doch es musste etwas gewesen sein, dass der Vampirin nicht gefiel, denn sie verschränkte erneut ihre Arme und sah gekränkt zu Boden.
„Wir sollten keine Zeit mehr verlieren!  Lasst uns gehen...“ meinte Cosmin und erhob sich. Dann ging er auf eine Tür zu, die sich gut versteckt in einer Ecke des Raumes befand. Er öffnete diese langsam und verschwand hinter ihr. Ethgar folgte ihm rasch und als Nyria sich aufgerichtet hatte, kam sie auf mich zu, griff nach meiner Hand und zog mich hinter sich her, in Richtung Tür. Rosa jedoch blieb wie versteinert sitzen und starrte vor sich hin.

„Um bei Rikane anzukommen, müsst ihr immer weiter diesem Flur folgen. Wenn ihr am Ende angelangt seid, müsste dort irgendwo ihre Behausung sein. Solltet ihr Probleme mit ihr haben, dann versucht zu flüchten und wartet in Assirus Halle auf uns. Dort werden wir uns wieder treffen, in Ordnung?“ fragte Cosmin und sah uns ernst an. Nyria und ich nickten gleichzeitig. „Gut. Wir drei, Ethgar, Rosa und ich, werden dann Fumé suchen. Nyria, du sagtest doch, dass Fumé Draculas Armee beitreten sollte, deswegen schließe ich es auch nicht aus, dass er in den Schlafgemächern der Krieger ist. Doch da Rikane und Dracula wissen das wir ihn suchen, könnte ich es mir durchaus vorstellen, dass man ihn in die Schlafkammern für besondere Gäste oder Krieger verfrachtet hat. Kannst du uns eine kleine Beschreibung von ihm geben? Wir müssen ja auch wissen, wie er aussieht.“ fuhr der Silberhaarige fort. „Ich habe ein Foto von ihm...“ entgegnete die Weißmagierin und drückte Cosmin ein kleines Bild in die Hand. „Danke. Macht euch jetzt auf den Weg, wir treffen uns dann später wie gesagt, in Assirus Halle.“ mit diesen Worten betrat er den Raum, den wir gerade eben verlassen hatten und rief nach Rosa, die wahrscheinlich immer noch auf dem Boden kauerte.

Wie uns befohlen, folgten wir dem langen Gang und ließen die anderen zurück. Der Flur lag in völliger Dunkelheit vor uns und außer unserem leisen Atem war nichts zu hören. Ein schmaler Streifen Mondlicht fiel durch die Fenster und erhellte alles soweit, dass man die Konturen und Umrisse alter Statuen erahnen konnte. Durch die Öffnungen strömte mit dem Licht, die kühle Nachtluft herein. Doch plötzlich war ein seltsames Geräusch zu hören. Nyria und ich wirbelten erschrocken herum, doch nichts war zu sehen. Dennoch ließ mich die eiserne Faust der Angst nicht los, würgte meinen Hals, bis ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Benommen hielt ich mich an einer der Statuen fest.
„Ha... Hast du das auch gehört?“ fragte die Grauhaarige flüsternd und sah sich um. Nur ein kurzes Nicken bekam sie zur Antwort. Ich hielt für einen Augenblick die Luft an, doch nichts regte sich, alles war still. Langsam tastete ich mich an der kühlen Wand des Gangs entlang, bis ich plötzlich einen schwarzen Schatten den Flur entlang laufen sehen konnte. „Da vorn!  Da ist jemand!“ rief ich aufgeregt und deutete mit dem Zeigefinger auf die Gestalt, die schon kurz darauf hinter einer Ecke verschwunden war. „Schnell Stela, wir müssen hinterher!“ lärmte Nyria und lief los. Ohne zu zögern, folgte ich ihr und schon bald darauf, waren wir in einer Sackgasse gelandet.
„Hier ist dann wohl ende...“ flüsterte ich und blieb ruckartig stehen. „Hier muss dann irgendwo Rikane sein!“ meinte die Weißmagierin und sah sich um. „Vielleicht war sie ja auch die Gestalt, die wir sehen konnten!?“ „Nein, glaube ich nicht... Die alte Schachtel könnte nie und nimmer so schnell laufen!  Das muss wer anders gewesen sein. Ah, hier ist ja die Bibliothek... Dann muss hinter einer der beiden Türen die Kammer der Hexe sein!“ murmelte die Grauhaarige, als sie unter einem Türrundbogen stand und die vielen, riesigen Bücherregale bestaunte. „Mensch, sind das viele Bücher!  Wie lange man wohl braucht, um die alle zu lesen!?“ fragte ich eher mich selbst, als ich meiner Begleiterin über die Schulter spähte. „Ich will es, um ehrlich zu sein, nicht wissen!   Aber wenn wir die alle gelesen hätten, würden wir sicher so aussehen wie Rikane!“ Ein lautes Lachen entwich meinen Lippen, doch ich versuchte mich sofort wieder zusammenzureissen und ging mit einem leichten Nicken auf eine der Türen zu und streckte meine Hand nach dem Griff aus. Nyria tat es mir gleich, bei der anderen Tür.
„Eins, zwei, drei!“ rief ich und in diesem Augenblick, rissen wir die Türen mit einem Ruck auf. 

Zaghaft schlich ich in den dunklen Raum und sah mich um. Nichts als Dunkelheit umgab mich, ich konnte nicht einmal den Boden oder die Wände sehen. Ich war schon eine ganze Weile dort herum am stehen, bis ich plötzlich meinte, etwas gehört zu haben. Ich ging vorsichtig einige Schritte vorwärts, hielt dann wieder an und versuchte angestrengt nach den schon längst vergangenen Geräuschen zu lauschen. Doch ich konnte tatsächlich etwas hören, eine ganz leise Stimme. Es war noch jemand außer mir hier in dieser finsteren Kammer!
„Hast du etwas gefunden, Stela? In dem Raum, wo ich war, waren nur ein paar alte Holzkisten, die gefüllt mit kleinen Blutampullen waren..“ ertönte plötzlich hinter mir die Stimme von Nyria. „Psst... Ich weiß nicht!  Es ist alles so dunkel, aber ich kann eine Stimme hören!“ flüsterte ich ihr leise zu. „Ei... Eine Stimme?“ wiederholte sie ungläubig und lauschte ebenfalls gespannt. „Komm Nyria.“ Ich nahm die Grauhaarige bei der Hand und folgte aufgeregt dem leisen Klang, bis er schließlich lauter wurde. Ich kannte diese Stimme irgendwoher, aber ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wo ich sie schon einmal gehört haben will.
Nach einiger Zeit, waren wir nah genug an ihr dran, so, dass wir nun auch etwas verstehen konnten. Doch die Wörter und Sätze, konnte ich nicht einordnen. Wir gingen weiter, doch dann bemerkte ich, dass wir uns mittlerweile immer mehr von dieser seltsamen Stimme entfernten. Nachdem wir eine Weile hin und her gegangen waren, war ich mir sicher, dass wir der Stimme nun am Nächsten waren und horchte. Ich versuchte mich daran zu erinnern, wo ich diesen Klang schon einmal gehört hatte, bis die Weißmagierin plötzlich murmelte: „Ich glaube das ist Rikane!“ Erstaunt blickte ich in die Richtung, wo Nyria stand, doch ich konnte sie nicht sehen, da es so düster in dieser scheinbar riesigen Kammer war. „Bist du dir sicher?“ fragte ich sie zögernd, doch plötzlich war eine andere Stimme zu hören, die eindeutig von einem Mann stammte.

„Ihr hättet nie hierher kommen sollen!  Aber ihr seid selbst Schuld...“

Ich spürte, wie sich die Fingernägel der Magierin in meinen Arm bohrten. „Das ist Fumé!“ rief sie erregt. „Fumé, Gott sei dank, es geht dir gut!  Bitte zeig dich!“
Wie ich erwartet hatte, bekam Nyria keine Antwort. Es herrschte stille, nichts war zu hören, nur das leise Schluchzen der Grauhaarigen. Langsam tastete ich mich an ihrem Arm herauf, bis ich an ihrer Schulter angekommen war. Ich zog sie etwas an mich heran und nahm sie tröstend in meine Arme, bis plötzlich ein lauter Knall zu hören war und wir uns erschrocken umsahen.
„Die Tür!“ schrie ich wie betäubt und rannte auf sie zu, dabei stolperte ich über irgendetwas und landete schmerzhaft auf dem Boden. „Oh nein... Sie haben uns eingesperrt!“ wimmerte ich und kroch über die kalten Steinplatten, auf die Tür zu. Als ich dort angekommen war, tastete ich mich zur Türklinke hinauf und drückte diese immer wieder nach unten, doch wie ich vermutet hatte, ließ der Ausgang sich nicht öffnen. Wir waren gefangen!
Langsam ließ ich mich an der alten und rauen Tür zum Boden herabsinken und vergrub mein Gesicht in den Händen. „Was machen wir denn jetzt?“ fragte ich mich stillschweigend in Gedanken, als sich auf einmal alle Lichter, die sich in diesem Raum befanden, mit einem leisen zischen entzündeten. Unsicher hob ich den Kopf und blickte mich um.

Wir fanden uns in einem Raum wieder, der keine Fenster besaß. Die Luft roch feucht und modrig, und es war ungewöhnlich kalt. Die Möbel und Ecken des Raumes, waren mit dichten Spinnweben behangen und ich hatte den Verdacht, dass es hier Ratten gab, denn nun konnte ich ganz leise, scharrende Geräusche hören. Überall lagen alte Bücher herum, die bedeckt mit Staub waren, und in der Mitte der riesigen Kammer, stand ein bronze-metallisch glänzender Hexenkessel. Neben ihm war ein langer, morscher Tisch, auf dem sich sämtliche Zutaten für einen Zaubertrank befanden. Etwas weiter hinten, auf einem niedrigen Podest, stand eine gläserne Vitrine, in der ein dickes Zauberbuch lag, auf dem ein kleines Pentagramm zu sehen war.
Dieser alte Raum, war ein wenig gruselig, doch irgendwie war ich von ihm fasziniert. All diese Dinge, die man hier fand, kannte ich nur aus Büchern...
Als ich mich weiter umgesehen hatte, musste ich bemerken, dass nur Nyria und ich in diesem Raum waren. Von Fumé und Rikane, fehlte jede Spur.


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