Carries komische Werkstatt
  Auf der Flucht 3
 


Für einen kurzen Moment war es vollkommen Still – der Wind verstummte und die Wolken am Himmel gaben endlich den Mond frei, der nun ungehindert sein bleiches Licht auf uns werfen konnte. Auch der Nebel lichtete sich langsam und gab die Fassende der Person preis. Sofort fielen mir die kurzen, hellblonden Haare auf und ich wusste, dass diese Gestalt ohne Zweifel Camilla war. Doch was tat sie da? Es hatte nicht den Anschein, als ob sie es sehr eilig hätte, denn sie hatte ihre Hände lässig in den Manteltaschen, während sie zu dem Sternenzelt hinauf blickte.
„Cami, was machst du denn da? Wir haben uns Sorgen um dich gemacht und du stehst hier einfach rum!  Ist etwas passiert oder hast du etwas gehört?“ fragte ich gereizt und ging zusammen mit Cazie einen Schritt auf sie zu. Langsam sah sich die Blonde über die Schulter und ihre großen blauen Augen musterten uns kühl. Irgendetwas seltsames lag in ihrem Blick, es war unangenehm ihren starren Augen standhalten zu müssen!  Plötzlich formten sich ihre Lippen zu einem boshaften Lächeln und sie wandte ihren Blick von uns ab.
„Ich hätte ehrlich nicht gedacht, dass ihr mir folgen würdet!  Ich dachte, ihr würdet euch ängstlich in euer Höhle verstecken und dort verzweifelt auf Hilfe warten.“ meinte Camilla verächtlich und lachte bitter auf. „Was ist los mit dir? Du bist meine Freundin, denkst du etwa tatsächlich, ich würde dich alleine hier herumlaufen lassen? Wir sitzen alle in dem selben Boot und wir sollten zusammenhalten!  Außerdem sind wir doch Freunde, oder nicht? Wir sollten uns gegenseitig beschützen und keinen dummen Streit anfangen!“ rief ich zögernd und stampfte heftig mit dem Fuß auf den Boden. „Freunde, hm? Lasst uns gehen!“ mit diesen Worten griff sie Cazie unter die andere Schulter und ging voraus.
Entsetzt schluckte ich den riesigen Kloß in meinem Hals hinunter, während mein Herz noch immer wild klopfte. Für einen Augenblick dachte ich, ich befände mich im falschen Film!  Eine Gänsehaut schlich sich auf meinen Körper, als ich unsicher aus dem Augenwinkel heraus zu Cami sah. So seltsam hatte sie sich noch nie benommen, es schien mir beinahe so, als ob sie ein vollkommen anderer Mensch geworden wäre. Wo war die lebenslustige und amüsante Camilla hin, die selbst in der unpassendsten Situation ihre Witze machte? War sie vielleicht so verändert, weil sie selbst Todesangst hatte oder sah sie sogar in uns den Feind?

Brausend zog der Wind an uns vorüber, während wir uns unseren Weg durch den Wald suchten. Meine Gelenke schmerzten bei jeder Bewegung die ich tat und meine Füße waren eisig kalt, drohten unter der Last meinen Körpers zusammenzubrechen. Auch Cazie schien starke Schmerzen zu haben, denn sie Stöhnte immer wieder auf und verzerrte das Gesicht zu einer Grimasse.
„Weißt du überhaupt, wo es lang geht?“ fragte ich Camilla schließlich unsicher und sah mich um. Mir war bereits aufgefallen, dass wir in eine ganz andere Richtung gingen, als es Adan tat. Er war in eine andere Richtung verschwunden und er hatte den richten Weg gewählt. „Natürlich weiß ich, wo es lang geht!  Vertraust du mir etwa nicht?“ antwortete Cami schnippisch und warf mir einen erbosten Blick zu. „Nun ja, der Ort liegt in einer völlig anderen Richtung!  Hier geht es nicht lang!“ „Wir gehen einen kleinen Umweg. Ich möchte keinen Kontakt zu dem Killer riskieren, also schlagen wir uns durch den Wald!“

Ich hatte keine Ahnung, wie lange wir schon unterwegs waren, doch jede Faser meines Körpers schien nach einer kurzen Pause zu flehen. Meine Beine waren beinahe schon taub, entweder durch die Kälte oder durch die Anstrengung – sie schienen jeden Augenblick wie Streichhölzer unter mir wegzuknicken und verzweifelt klammerte ich mich immer wieder an irgendwelche Bäume, um nicht hinzufallen. Die Schusswunde an meiner Schulter begann sich langsam wieder bemerkbar zu machen. Die meiste Zeit war auch sie wie Betäubt, doch jetzt durchzuckten kaum aushaltbare Schmerzen meinen Arm und eine seltsame Übelkeit überkam mich. Bei der ganzen Aufregung muss ich wohl die Gedanken an meine Wunde und somit die Schmerzen verdrängt haben. Doch nun, wo mein Herzschlag sich etwas beruhigt hatte und ich erleichtert darüber war, dass wir bisher nicht entdeckt wurden, regierten die Pein wieder meinen Körper.
Plötzlich zog ein seltsamer, grauer Schleier an meinen Augen vorüber und alles schien sich zu drehen. Ich blieb stehen, starrte zu Boden und kniff die Augen fest zusammen – mir war Schwindelig. Ich hatte das Gefühl, als würden langsam all meine Sinne schwinden. Ich konnte an nichts mehr denken und für einen Augenblick schien es mir so, als wäre ich ganz allein in einem stillen, dunklen Raum gefangen.
„Was ist los? Stimmt etwas nicht?“ fragte Cazie besorgt, doch erst nach wenigen Sekunden nahm ich ihre Frage wahr. Langsam kehrte ich ins Diesseits zurück und ein schwacher Atemzug verließ meine Lippen. „Ich..., ich brauche eine Pause..., bitte!“ stammelte ich und noch immer war es mir, als würde ich umkippen. „Halte durch, lass uns noch ein Stück gehen!  Wir machen gleich eine Pause, wenn wir einen einigermaßen trockenen Platz gefunden haben.“ meinte Camilla und ging zusammen mit Cazie weiter, die sie nun alleine stützte.
Mit taumeligen Schritten folgte ich ihnen; allmählich ging es mir wieder besser und das Schwindelgefühl verschwand. Gerade als ich Cazie wieder mit meiner gesunden Schulter stützen wollte, stolperten wir plötzlich über etwas seltsam weiches und stürzten kreischend einen Abhang hinab. Bäume, Sträucher und Felsbrocken zogen ans uns vorüber, während lose Äste uns ins Gesicht peitschten und wir in einem hohen Tempo den Berg hinunter rollten. Dann, urplötzlich, hörte ich auf mich zu drehen und den Abhang hinunter zu kullern. Ich lag lang ausgestreckt und reglos am Boden. Ich war mehrere Male mit den Rippen gegen große Steine gekommen und meine Schulter schmerzte enorm durch den qualvollen Aufprall.
Auf allen Vieren versuchte ich mich aufzurichten, doch etwas schweres und weiches landete auf meinem Rücken, und drückte mich zurück zu Boden. Dunkles, strähniges Haar klebte in meinem Gesicht und kitzelte meine Nase. Als ich stöhnend zurück sah, bemerkte ich, dass ein junges Mädchen auf meinem Rücken lag. War es Cazie?
„Cazie, gehst du bitte von mir runter? Mir tut alles weh...“ murmelte ich auffordernd, doch die Person auf meinem Rücken regte sich nicht. „Fleur, ich bin hier hinten und ich liege nicht auf dir drauf.“ konnte ich plötzlich die Stimme von Cazie aus irgendeiner Richtung vernehmen. Doch auch Camilla konnte nicht auf mir liegen, da sie kurze und helle Haare hatte.

Unter großer Anstrengung stemmte ich mich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf und drehte mich so zur Seite, das die Unbekannte mit einem dumpfen Geräusch zu Boden stürzte. Erleichtert ging ich in die Hocke und sah aus dem Augenwinkel zu dem scheinbar leblosen Körper. „Ist dieses Mädchen vielleicht bewusstlos oder gar...?“ Mit einem Kopfschütteln versuchte ich diesen Gedanken aus meinem Gehirn zu vertreiben, denn daran wollte ich gar nicht erst denken!
Wehklagend streckte ich eine Hand nach der Fremden aus und rüttelte sie sanft, um sie vielleicht aufwecken zu können. „Hey, ist alles okay mit dir?“ fragte ich flüsternd in der Hoffnung, ich würde eine Antwort bekommen – doch es blieb still. Die fremde Dunkelhaarige gab nicht einmal den leisesten Laut von sich. „Was ist los? Wer ist sie?“ konnte ich plötzlich Camillas Stimme vernehmen und erst jetzt bemerkte ich, dass meine beiden Freundinnen hinter mir knieten und ebenfalls wie gebannt auf die Leblose starrten. Erschrocken zog ich meine Hände zurück und presste sie zusammengefaltet gegen meine Brust. „Ich weiß nicht, sie lag plötzlich auf mir!  Wir müssen wohl oben auf dem Hügel über ihren Körper gestolpert, und sie mit hinunter gerissen haben.“ meinte ich grübelnd und legte den Kopf etwas schief. „Ist sie,... ist sie etwa tot? Atmet sie noch?“ fragte Cazie mit angstbebender Stimme und ihre Hände umklammerten den Stoff meiner dicken Jacke. Nur mit einem knappen Schulterzucken beantwortete ich Cazies Frage, während mein Blick noch immer über die schemenhafte Figur des Mädchens schweifte und Angstschweiß meine Schläfen hinab lief. „Ach was!“, rief Camilla und fuhr nach kurzem Zögern fort. „Vielleicht wurde sie vom Killer gejagt und ist einfach erschöpft zusammengebrochen. Sie ist bestimmt nicht tot, sondern einfach nur bewusstlos!“

Irgendwie fühlte ich mich furchtbar hilflos. Wir drei saßen zusammengekauert bei tiefster und unheimlichster Schwärze in einem dichten, dunklen Wald – von einem verrückten Psychopathen verfolgt und vor uns lag dieses unbekannte, regungslose Mädchen. Mein ganzer Leib zitterte. Nicht wegen der Kälte, sondern wegen der starken Angst, die ich tief in meinem Inneren verspürte. Ich wollte diesem armen Mädchen helfen, herausfinden, was mit ihr geschehen war, doch die Panik davor, feststellen zu müssen, dass dieses Mädchen vielleicht schon längst nicht mehr am Leben war, hielt mich plötzlich zurück.
„Fleur, sieh nach, ob man ihren Puls spüren kann!“ meinte Cami auf einmal auffordernd und schlug mir ihren Ellbogen in die Seite. Unsicher fuhr ich mir mit den Händen übers Gesicht und in dem selben Augenblick, sprang ich erschrocken auf. Meine Hände waren mit einer seltsamen, klebrigen Flüssigkeit überzogen, die ich bisher in der Aufregung nicht bemerkt hatte. Zwar schwitzte ich im Augenblick enorm, doch ich hatte noch nie erlebt, dass Angstschweiß in einer solch großen Menge auftreten konnte, also musste es etwas anderes sein.
Erstarrt fiel mein Blick auf meine Handflächen, als sich die Wolken am Himmel für einen Augenblick lichteten und dem Mond gewährten, ein paar seiner silbernen Strahlen auf uns niederzuwerfen. Schnaufend wich ich zurück, als ich sah, dass meine Finger in ein seltsames rot gefärbt waren und erneut überkam mich eine starke Übelkeit. „Bl... Blut!“ stammelte ich entsetzt und meine Beine wurden weich wie Pudding, mein ganzer Körper zitterte nun noch mehr. Meine Gedanken überschlugen sich, wie ein Film zogen die Erlebnisse der letzten Tage an mir vorüber.

„Um Gottes Willen, Fleur, was ist los mit dir?“ rief Cazie besorgt und riss an meinem Hosenbein. „Sie... sie blutet!“ kreischte ich entsetzt und hielt meinen Freundinnen meine blutverschmierten Hände entgegen. „Also ist sie doch...!“ krächzte Cazie und robbte winselnd über den Boden. „Wartet, jetzt beruhigt euch!  Nur weil sie blutet, heißt das noch lange nicht, dass dieses Mädchen tot ist!  Ich habe eine Taschenlampe dabei, wir sehen einfach nach!“ meinte Camilla ruhig und zog sich etwas langes, schwarzes aus der Manteltasche. Mit einem leisen Klicken, entzündete Cami das Licht der dünnen Taschenlampe und der Lichtkegel schwankte wild umher. Scharf sog ich die Luft ein, als Camilla die lange Blutspur am Abhang, den wir hinunter gestürzt waren, ins Visier nahm und langsam das Licht zu dem Mädchen schweifen ließ. Soviel Blut auf einmal, hatte ich noch nie vorher gesehen und meine Augen weiteten sich erschrocken. Unter dem leblosen Körper hatte sich bereits eine riesige Blutlache angesammelt, obwohl er dort erst seit einigen Minuten lag.
„So einen enormen Blutverlust, kann kein normaler Mensch überleben!“ überlegte Cami gelassen und legte sich einen Zeigefinder auf den Mund. „Wie... wie kannst du nur so ruhig bleiben!?“ schrie ich sie verständnislos an, während ich meinen Blick von dem grausigen Bild abwandte und das Blut an meinen Händen, an meiner Jacke abschmierte. War Camilla nun völlig übergeschnappt? Man brauchte sich nur eine Schramme zuziehen und Cami war sofort besorgt. Doch nun lag eine Leiche vor ihren Füßen und trotzdem blieb sie völlig unerschüttert?
„Mach sofort das Licht aus!“, flüsterte Cazie plötzlich aufgebracht und ein ängstliches Wimmern entwich ihr. Erschrocken knipste Camilla das Licht der Taschenlampe aus und sah sich unsicher um. „Was ist denn los?“ fragte ich leise, als ich mich ebenfalls umgesehen hatte. „Da oben am Berg steht jemand!“ Entsetzt wirbelte ich herum und sah zu der Stelle, an der wir vorhin noch entlang gegangen waren. Tatsächlich!  Eine schwarze Gestalt stand dort oben und sah scheinbar auf uns hinab. Die schlimmste Befürchtung überkam mich, als die Person wortlos zu uns hinunter kam. „Er hat uns gefunden!“ kreischte Camilla panisch und rannte in irgendeine Richtung. „Warte auf uns!“ schrie ich ihr nach, doch die Blonde war schon längst in der Dunkelheit verschwunden. Ohne zu zögern griff ich Cazie unter die Arme und zusammen bahnten wir uns unseren Weg durch den dichten Wald.
„Cami ist einfach abgehauen, sie hat uns allein gelassen!“ keifte ich fassungslos und Wut machte sich in mir breit. „Sie sagte, sie würde bei uns bleiben, und nun ist sie einfach panisch davon gelaufen und lässt uns im Stich!“

So schnell es uns möglich war, eilten wir zwischen den Bäumen umher. Da Cazie nicht alleine gehen konnte und ihr Bein schwer verletzt war, konnten wir nicht rennen. Allerdings schien der Killer nicht uns gefolgt zu sein, sondern Cami, denn weit und breit konnte ich niemanden sehen, geschweige denn hören. Doch warum war der Killer nicht uns gefolgt? Wir waren eindeutig langsamer als Camilla, bei uns hätte er es leichter gehabt!  Aber vielleicht wollte er mit uns spielen oder er war sich darüber sicher, dass er Cazie und mich früher oder später, in die Finger bekommen würde.
„Was machen wir jetzt? Wohin sollen wir gehen?“ fragte die Dunkelhaarige schluchzend und ihre Finger bohrten sich fest in meine Arme. „Ich weiß nicht!  Wir wissen ja nicht einmal, wo wir hier sind, da Camilla die Karte hat!“ antwortete ich ihr knapp, als wir kurz stehen geblieben waren. „Wir sollten uns ein neues Versteck suchen und dort auf Hilfe warten, oder?“ „Selbst wenn Adan es schafft, dass nächste Dorf zu erreichen, dann weiß niemand wo wir sind!“ schrie ich hoffnungslos und zog sie weiter hinter mir her. Warum fragte Cazie mich all die Sachen? Glaubte sie etwa, ich würde wissen, was wir jetzt tun sollten? Ich war ebenso verzweifelt und ratlos wie sie!

Mittlerweile hatten wir unser Tempo verringert und völlig erschöpft, schleppten wir uns voran. Erneut ging es Bergauf und es war anstrengend, Cazie die Steigung hinauf zu zerren. Der Boden unter unseren Füßen war matschig und immer wieder rutschten wir auf der glitschigen Erde aus.
Als wir oben angekommen waren und unser Weg wieder etwas ebener wurde, lichtete sich plötzlich der Wald und vor uns machte sich ein gähnender Abgrund breit.
„Wo zum Teufel, sind wir hier bloß gelandet?“ fragte ich mich leise und schüttelte verzweifelt mit dem Kopf. „Egal wohin wir gehen, wir verlaufen uns immer weiter!  Ich weiß nicht einmal mehr, in welcher Richtung das Dorf liegt.“ meinte Cazie mit bebender Stimme, während sie mich unsicher ansah. Die Dunkelhaarige hatte recht!  Egal was wir nun taten, wir würden immer tiefer in die Pampa geraten und auch ich wusste nicht mehr, in welcher Richtung das Dorf oder die Höhle lag, da ich völlig die Orientierung bei der Verfolgungsjagd verloren hatte. Bei unserer Flucht waren wir wie aufgescheuchte Hühner durch den Wald gerannt und wir hatten einige Male wild die Richtung gewechselt, sodass wir nun nicht mehr wussten, wohin wir überhaupt gelaufen waren. Die Umgebung war für uns völlig fremd, es war dunkel und den Rückweg würden wir mit Sicherheit nicht mehr finden.
„Wenn nicht bald Hilfe kommt, werden wir sogar ohne Fremdeinwirkung sterben!  Entweder werden wir elendig verhungern und verdursten, oder wir sterben schon bald an den Folgen unserer Verletzungen.“ murmelte Cazie leise und ihre Stimme klang monoton. Es schien mir beinahe so, als ob sie die Hoffnung schon längst aufgegeben hätte. Seufzend sah ich mir über die Schulter und mit Entsetzen musste ich feststellen, dass ich den Rucksack mit dem bisschen Verpflegung die wir hatten, verloren haben musste. „Das hat uns gerade noch gefehlt!  Der Rucksack ist weg!“ rief ich aufgebracht und stampfte wütend mit dem Fuß auf den Boden. „Und was machen wir jetzt?“ fragte Cazie schockiert. „Ich weiß es nicht!  Am besten drehen wir um und folgen einfach unserer Nase. Hier geht es ohnehin nicht weiter, oder willst du den Berg hinunter purzeln und dir noch mehr Verletzungen zuziehen?“ „Sicher nicht!  Also lass uns gehen!“
Gerade, als wir auf der Stelle kehrt machten, konnten wir seltsame Geräusche vernehmen – Äste knacken, Blätter rascheln. „Was war das?“ fragte ich mich in Gedanken und mein Atem verschnellerte sich. Hatten wir uns diese Laute etwa nur eingebildet oder wurden sie vielleicht von einem Tier verursacht? „Der Killer?“ nuschelte Cazie kaum hörbar und stieß einen leisen Atemzug aus. „Das beste ist, wir gehen erst einmal vom Schlimmsten aus!  Lass uns leise verschwinden..“ flüsterte ich ihr zu und zog sie hinter mir her.
Wortlos und genaustens darauf bedacht, keinen Lärm zu verursachen, folgten wir immer weiter dem Rand des Abgrunds. Jedoch schienen uns Schritte zu verfolgen. Mein Herz klopfte immer schneller und auch unser Gang nahm an Geschwindigkeit zu. Doch plötzlich blieb Cazie stehen und riss an meinem Ärmel. „Was machst du? Komm weiter!“ raunte ich, doch die Dunkelhaarige bewegte sich keinen Millimeter weiter. Ihre Augen sahen starr nach vorn und unsicher folgte ich ihrem Blick. Nichts, rein gar nichts war zu sehen. Entweder versteckte sich jemand im Schutze der Dunkelheit oder die Angst hatte Cazie einen Streich gespielt. Was hatte sie gesehen?
Weiter ließ ich meine Augen durch das Dunkel schweifen, als plötzlich eine schwarze Gestalt aus dem Dickicht sprang. Kreischend und erschrocken wichen wir zurück, doch Cazie verlor das Gleichgewicht und riss mich mit sich zurück. Mit zusammengekniffenen Augenlidern, wartete ich auf den schmerzhaften Aufprall – doch nichts geschah. Ich hatte schon längst den Boden unter meinen Füßen verloren und für einen Augenblick schien ich wie ein Vogel durch die Finsternis zu fliegen. Cazie schrie noch immer, doch ich hatte begriffen, dass dies nichts mehr nützen würde – wir waren den Abgrund hinunter gestürzt.

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