Carries komische Werkstatt
  Ohne Ausweg? 2
 

Unsicher versuchte ich das Gesicht der Gestalt zu erkennen, doch es schien so, als ob sie sich schwarz angemalt hätte. Denn trotz der spärlichen Beleuchtung, war es mir unmöglich, ihr Gesicht zu sehen. Auch der hochstehende Kragen, die langen zerzausten Haare und das flackernde Licht, das tanzende Schatten auf die Person warfen, erschwerten mir dies.
Ein eiskalter Schauer rieselte meinen Rücken hinab, als plötzlich seine Augen im Schein der Kerze hell aufleuchteten und langsam zum Bett wanderten. Für einen kurzen Augenblick verharrte die Gestalt leicht nach vorn gebeugt und zur Matratze starrend, vor mir und bewegte sich keinen Zentimeter. Er wirkte fast wie eine gruselige Schaufensterpuppe, die in einem der Kostümläden stand. Doch schon nach kurzer Zeit löste er seine Starre wieder und stellte den Kerzenhalter auf einer alten hölzernen Kiste ab.
Das Gefühl der Panik brach in mir aus und ich wurde unruhig, begann zu schwitzen, sodass meine Handflächen unangenehm feucht wurden.

„Wa.. Was wollen sie von uns?“ fragte ich mit zitternder und fast weinerlich klingenden Stimme. Doch als ich plötzlich etwas im matten Licht aufblitzen sah, stockte mir der Atem. Ein Messer!   Die Klinge eines Messers, hielt er plötzlich in der Hand!

Panisch zappelte ich auf dem Stuhl herum, der immer mehr ins Schwanken geriet und nach hinten umzukippen drohte. Der Langhaarige ging auf die Person, die scheinbar bewusstlos auf dem Bett lag, zu und hielt sie mit einer Hand von hinten an den Armen fest. Und im nächsten Augenblick hatte er das Messer an der Kehle des Opfers angesetzt und mit einer ruckartigen Bewegung aufgeschlitzt.

Vor Entsetzten schrie ich kurz laut auf, kniff die Augen fest zusammen und ballte die Hände zu Fäusten. Währenddessen hatte das Ekel im schwarzen Mantel nicht aufgehört, in meine Richtung zu sehen. Er schien völlig ruhig, teilnahmslos und gleichgültig gegenüber alldem zu sein. Mittlerweile hatte er von dem Opfer abgelassen, dass kopfüber von der Bettkante auf den Boden gestürzt war. Es hatte die Augen weit aufgerissen und röchelte leise vor sich hin, versuchte um sein Leben zu kämpfen. Doch schon nach kurzer Zeit lag der Körper stumm und bewegungslos auf der Erde. Es hatte den Kampf verloren. Ich konnte erkennen, wie das Blut langsam eine riesige Lache bildete und scheinbar nicht aufhörte zu wachsen.

„Oh mein Gott!  Sie ist tot,... Er hat sie umgebracht!“

Verzweifelt versuchte ich zu schreien, immer wieder um Hilfe zu rufen. Doch aus meiner Kehle kamen nur ein paar schrille Töne und ein halblautes Krächzen. Egal wie sehr ich mich darum bemühte, ein verständliches Wort hervorzubringen, es ging nicht, es rollten mir nur einzelne Tränen über die Wangen, die in meinen Augen brannten und meine Sicht verschleierten. Mein Körper war wie gelähmt, keinen klaren Gedanken konnte ich mehr fassen!
Diesen Verrückten schien dies alles überhaupt nichts auszumachen. Er zog den leblosen Körper auf eine weitere alte Holztruhe zu und hob ihn hinein. Dann sah er die Leiche noch für einen Augenblick zufrieden an, lachte kurz triumphierend auf und verschloss die Kiste mit einem stabilen Vorhängeschloss. Jegliche Farbe wich aus meinem Gesicht, als er mir direkt in die Augen blickte. Aus irgendeinem Grund, wusste ich, dass er etwas schlimmes vorhatte. Während er mit langsamen Schritten auf mich zu kam, wischte er mit seinem Mantel das Blut von seiner glänzenden Klinge. Wieder versuchte ich von panischer Angst gepackt, mich zu befreien und das Seil, das um meinen Körper gebunden war zu lockern. Doch als er sein Messer hob, überkam mich ein so schrecklicher Schauer, dass ich mich nicht bewegen konnte und starr vor Angst war. Mit einer kurzen Bewegung, rammte er, die immer noch etwas mit Blut beschmierte Klinge, nur wenige Millimeter neben meinem Hals in die Lehne des Stuhls.

Erleichtert senkte ich den Kopf. Einige Male entwich mir ein leiser Schluchzer und ein Wimmern. Schweißperlen rannen mein Gesicht hinunter und stürzten am Kinn dem Boden entgegen. Tausende Gedanken und Gefühle geisterten durch meinen Kopf, bis der Mann in Schwarz sagte: „Nun gehörst du mir. Ganz allein mir. Und jeder wird es an einem Brandzeichen erkennen können!“
Erschrocken hob ich meinen Blick und ließ mir seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen. „Wa.. Was soll das heißen?“ fragte ich vorsichtig. „Bitte, bitte, lassen sie mich gehen. Ich... Ich ha.. Hab ihnen doch gar nichts getan!  Bitte!“

Verächtlich lachte der ganz in schwarz gehüllte Mann auf, während er zu einem schmalen, unlackierten Holzregal schritt. Für einen kurzen Moment wühlte er in dem alten unbrauchbaren Kram herum, bis er gefunden hatte, was er suchte. Er drehte sich zu mir um, sah mich kurz an, dann wandte er sich den feuerfesten Handschuhen zu, die er aus dem alten klapperigen Gestell gekramt hatte.
„Ich kann dich nicht gehen lassen!  Du würdest mir die Polizei auf den Hals hetzen... Und außerdem habe ich noch eine Rechnung mit dir zu begleichen!“ murmelte er leise und man konnte deutlich den Zorn heraushören, der in ihm loderte. Doch was meinte er damit, dass er noch eine Rechnung mit mir begleichen müsse?
„Was meinen sie damit!? Lassen sie mich...“ Wieder lachte dieser scheußliche Kerl verachtenswert auf und verließ den Raum.

Ich versuchte, meine Gedanken zu sondieren. Weder wusste ich, wo ich war, noch wer dieser Fremde war. Doch eins wusste ich genau!  Ich musste weg von hier, und zwar schnell!  Mit großer Mühe, rutschte ich ein wenig auf dem Stuhl herum, um die Fesseln ein wenig zu lockern. Doch das ging schwerer als ich erwartet hatte, da das Seil sehr stramm um meinen Körper gebunden worden war. Plötzlich sprang die Türe wieder auf und der maskierte Killer trat wieder herein. In seiner linken Hand hatte er einen Eimer mit glühenden Kohlen. Er stellte ihn vor meinen Füßen auf dem Boden ab, und sofort spürte ich die wahnsinnige Hitze, die an meinen Beinen hinauf kroch und meine Haut langsam aufzufressen schien. Angstperlen liefen meine Schläfen hinab, als der Schwarzhaarige nach einem Brandeisen griff, dass an der Wand hing. Panisch zappelte ich auf dem Stuhl herum und versuchte die Fesseln loszureißen.

„Machen sie mich los!  Was soll der Mist!?“ schrie ich heftig drauf los, als die Schmerzen und das Brennen an den Beinen immer schlimmer wurde und der Mörder mit erhobenen Brennstempel auf mich zu kam. Vorsichtig legte er es in die Glut und sah mich mit böse funkelnden Augen an. „Weißt du wirklich nicht wer ich bin?“ fragte er ruhig und beugte sich zu mir vor.

Schniefend hob ich den Blick und sah den Maskierten aus roten und mit Tränen gefüllten Augen an. Wild schüttelte ich mit dem Kopf und ich konnte deutlich spüren, wie das Schlottern meiner Beine immer schlimmer wurde, auch wenn ich mit aller Kraft versuchte, dass Zittern zurückzudrängen.
„Ich kenne sie nicht, verdammt!  Sie sind doch wahnsinnig!“ schrie ich so laut ich konnte. Doch meine Stimme war nicht mehr als ein schrilles Quietschen. Der verrückte Killer lachte spöttisch auf. „Ich glaube es nicht!  So schnell hast du mich also wieder vergessen... Du kleines Miststück!  Du verwöhntes Gör hattest alles gehabt, doch das hat dir nie gereicht. Weißt du was!? Du wirst hier nicht lebend wieder wegkommen, dass schwöre ich dir. Doch bevor ich dich töte, werde ich dir deine noch bleibende Zeit, zur Hölle auf Erden machen.“
Erneut schrie ich panisch auf, in der Hoffnung, irgendjemand würde mich hören. Doch ich wusste genau, dass es nicht so sein würde. Niemand würde kommen um zu helfen. Dass sollte wohl mein Ende sein, mein viel zu frühes Ende.
„Halt den Mund!  Sei still!“ schrie der Mann in Schwarz wütend und presste mir seinen dreckigen Handschuh auf das Gesicht, so, dass ich kaum noch Luft bekam. Seine Worte schnitten durch die Luft, wie Klingen aus bitterkaltem Eis.
Schweißnass klebte mir mein schwarzes Haar im Gesicht, als ich immer wieder versuchte, unbemerkt das Seil zu lösen. Angstbebend schloss ich beklommen meine Augen und versuchte nachzudenken. „Er sagte, dass wir uns kennen, doch woher!? Sein Gesicht kann ich nicht erkennen, doch seine Stimme kommt mir tatsächlich bekannt vor... Wer ist er?“ schoss es mir durch den Kopf, als der Maskierte langsam seine Hand von meinem Gesicht nahm. Langsam öffnete ich wieder meine Augen und sah ehrfürchtig zu ihm hinauf. Irgendetwas anderes schien seine Aufmerksamkeit voll und ganz zu besitzen, denn er starrte wie gebannt in Richtung Tür. Angestrengt lauschte ich in die Stille. Ab und zu war ein leises Poltern und Schritte zu hören.

Hastig schaute sich der Schwarzhaarige um, und es schien so, als ob er nach etwas suchen würde. Ängstlich atmete ich tief ein und legte den Kopf in den Nacken. Wieder presste er mir seine Hand aufs Gesicht, während er sich weiter umsah.

„Ah, da ist es ja!“ murmelte der Fremde und starrte mich mit drohendem Blick an. „Wenn du auch nur einen Mucks machst, bist du früher im Himmel, als es dir lieb ist!“ zischelte er und nahm langsam seine Hand aus meinem Gesicht. Panisch nickte ich mit dem Kopf und kniff die Augenlider fest zusammen. Mit großen Schritten, ging er auf ein Regal zu, und wühlte in den Sachen herum. Nach kurzer Zeit, kam er zurück und stellte sich wieder vor mich. In seinen Händen hielt er eine Rolle Klebeband und ein dreckiges Tuch.
„Dass muss nicht sein, wirklich!“ flüsterte ich heftig auf ihn ein. „Ich bin still!   Ich werde kein Geräusch von mir geben!“ Der Killer lachte amüsiert auf. „Heute ist dein Glückstag. Du bekommst jetzt einen schönen Knebel, passend zu deinen Fesseln.“ Mit einer ruckartigen Bewegung, stopfte er mir das beschmutzte Tuch in den Mund und klebte einen langen Streifen Klebeband über meine Lippen. „Mmmmpf, mmmmpfff!  ..“ das war alles, was ich von mir geben konnte. „Mach es dir bequem und sei schön ruhig.“ sagte er, während er sich auf den Weg zur Zimmertür machte. Dann verließ er die dunkle Kammer.

Das Seil schnürte mir die Handgelenke ab, meine Hände waren taub, meine Finger konnte ich schon lange nicht mehr bewegen. Von draußen aus dem Flur, konnte ich Stimmen hören. Die eine gehörte dem Schwarzhaarigen, die andere einer Frau. Irgendwoher kannte ich diese Frauenstimme, doch mir wollte es einfach nicht in den Sinn kommen, woher.
Es fiel mir schwer, zu atmen, in der Luft lag unendlich viel Staub, der meine Nase verstopfte und es mir beinahe unmöglich machte, zu atmen. Das Klebeband über meinem Mund war dicht. Einige Male wurde die Luft knapp, und ich hatte Angst davor, in völlige Panik zu geraten.

„Ich muss ruhig bleiben und mich auf meine Atmung konzentrieren, damit ich genügend Luft bekomme...“ dachte ich und schloss die Augen.



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