Carries komische Werkstatt
  Die Blutmondnacht 5
 


Ihr Haar war rabenschwarz und zu einem langen Zopf geflochten, der ihren Rücken hinunter wallte und beinahe bis zu ihrem Po reichte. Sie trug ein seltsames altes, braunes Kleid mit braunfarbener Weste und über ihre zarten Hände waren schwarze Handschuhe gestülpt, sodass sie auf den ersten Blick wie eine Schlägerin wirkte. Als mein Blick an ihrem Gesicht hängen blieb, stocke mir beinahe der Atem und ein eiskalter Schauer lief meinen Rücken hinab. Ich hatte das Gefühl, als ob ich mein Spiegelbild vor mir stehen hätte, das nur um einige Jahre gealtert war. Ihre Augen leuchteten in dem selben grün wie meine, ihre Haut war ebenfalls so blass wie die von mir und ihre Gesichtsform hatte große Ähnlichkeit mit der meinen. Wer war sie?
Reglos, wie eine wunderschöne Statue im Mondlicht, blickte mich die Fremde an und schwieg, während sie ihre Handschuhe noch etwas strammer um ihre Hände zog. Zornig ließ sie ihre Blicke zu den zwei Soldaten streifen, die nun wohl nicht mehr soviel Mut zu haben schienen, denn ihre Augen waren überrascht und erschrocken aufgerissen und ruhten unentwegt auf der jungen Frau.
„Fräulein Livia!“, rief der schwarzhaarige Soldat hastig und stammelte nach einer kurzen Pause weiter. „Es... es ist nicht so, wie es aussieht, Fräulein Livia!“ Boshaft schüttelte die Frau mit dem Kopf und verengte ihre Augen zu seltsamen Schlitzen. „Erspart mir eure lächerlichen Ausreden und lügt mich nicht an!  Wir haben erhöhte Alarmbereitschaft und ihr zwei Nichtsnutze habt nichts besseres zu tun, als euch zu betrinken und ein Mädchen zu belästigen. Geht sofort auf eure Posten zurück, oder ich sorge dafür, dass ihr aus euer Einheit fliegt!“ rief sie und ihre Stimme klang wütend, aber dennoch lieblich. Entsetzt über ihre letzten Worte, zuckten die beiden Männer zusammen und sahen mich kurz an, ehe sie sich auf den Weg zu ihren Posten machten.

Unangenehme Stille umgab uns und beschämt blickte ich zu Boden. Diese prekäre Situation war mir mehr als peinlich und unangenehm. Ich schämte mich dafür, diese Kerle nicht von selbst fort gejagt zu haben und abschütteln zu können.
Unsicher hob ich meinen Kopf und musterte die Frau, die scheinbar Livia hieß, heimlich aus den Augenwinkeln. Diese junge Frau schien scheinbar ebenfalls zu dieser Armee von Vampirjägern zu gehören und dort etwas zusagen zu haben. Allerdings trug sie keine Uniform, vielleicht war sie auch einfach nur die Tochter eines hohen Generals und deswegen hatten die niederen Soldaten solchen Respekt vor ihr.
Der Himmel verfinsterte sich und der Sturm wurde immer heftiger. Der Wind brauste an uns vorüber und die Regentropfen hagelten auf uns hinab. Die Äste der Bäume peitschten wild um sich und in der Dunkelheit sah das Geäst aus, wie die langen, dürren Arme eines Monsters, die versuchten nach mir zu schlagen. Ein leiser Seufzer verließ meine Lippen und ich lehnte mich beruhigt gegen die kalte, raue Hauswand. „Danke.“ murmelte ich leise und ließ meinen Blick wieder zu Boden gleiten. Lächelnd winkte die Schwarzhaarige mit dem Zopf ab, während sie langsam mit dem Kopf schüttelte. „Du brauchst dich nicht bei mir bedanken. Es gehört zu meinen Aufgaben, ein Auge auf die Soldaten zu werfen und dafür zu sorgen, dass alle auf ihren Positionen sind und keinen Unfug anstellen. Solltest du noch einmal soetwas erleben, dann sage ihnen, dass du mich kennst, dann werden sie dich in Ruhe lassen. Ich bin Livia Ares, Leutnant der Armee und die Tochter des Hauptmannes. Darf ich deinen Namen erfahren, Mädchen?“ „Mein Name ist Stela Bäsescu.“ antwortete ich ohne nachzudenken und stieß mich von der Mauer ab. Misstrauisch runzelte Livia die Stirn und sie schien über irgendetwas nachzudenken. „Gab es hier nicht vor zwei Jahren ein Mädchen das so hieß und von dem Vampir Dracula ermordet wurde?“ fragte sie unsicher und ihre Augen schienen durch mich hinweg zu sehen.

Erschrocken weiteten sich meine Augen und jegliche Farbe wich aus meinem Gesicht, als sie dies leise und nachdenklich vor sich hin murmelte. Livia bemerkte zum Glück nicht das Entsetzen in meinem Gesicht, da sie kurzerhand misstrauisch ein paar seltsame Gestalten in einer schräg gegenüberliegenden Gasse beobachtete. In Gedanken Ohrfeigte ich mich dafür, dass ich ihr unüberlegt meinen wahren Namen verraten hatte und so nicht nur mich in Gefahr brachte. Was war, wenn sie nun dachte, ich sei ein Vampir? Was, wenn sie Verdacht schöpfte? Vor meinen Augen malte ich mir bereits aus, wie diese ganze Sache enden könnte – nur ein Wunder oder meine schauspielerischen Fähigkeiten, könnten mich vor einem Unglück bewahren.
„Ich ähm..., ich habe ebenfalls schon von diesem Mädchen gehört... und das sie vor zwei Jahren oben am Friedhof ermordet worden sein soll. Mehr weiß ich darüber allerdings nicht.“ log ich stammelnd und verkrampfte meine Lippen zu einem schwachen, unglaubwürdigen Lächeln. Erneut beschleunigte sich mein Herzschlag, und durch die Aufregung ging mein Atem unregelmäßig und stoßweise. Ich hatte noch nie gerne gelogen, nicht einmal in den schlimmsten Situationen, da mich beim Lügen immer wieder Gewissensbisse plagten und ich Angst davor hatte, dass ich auf frischer Tat ertappt werden könnte. Aber auf keinen Fall durfte Livia mir misstrauen und erfahren, das ich wieder von den Toten auferstanden war!  Cosmin, Ion und die anderen wären sonst in großer Gefahr – die Vampirjäger würden sie und mich ohne zu zögern töten. Die Menschen fühlten sich bedroht von den Vampiren und sie würden jeden ermorden, der ihnen vor das Schwert trat - ganz egal, ob sie gut oder böse waren.
Plötzlich sah Livia wieder zu mir hinüber und ihre Augen funkelten seltsam, als ich meine Ausrede beendet hatte. „Einen Tag, nach dem das Mädchen getötet wurde, kamen mein Vater, die Soldaten und ich hierher, um bei den restlichen Wiederaufbauarbeiten zu helfen. Ein Arzt unserer Armee hatte die Leiche des Mädchens auf Bissspuren untersucht, konnte aber keine Anzeichen für eine spätere Gefahr feststellen. Ansonsten hätten wir den Leichnam köpfen und verbrennen müssen, um eine Wiederauferstehung zu verhindern!“, erzählte Livia und fuhr nach einer nachdenklichen Pause fort. „Aber wenn ich mich recht erinnere, hatte dieses Mädchen nicht nur den selben Namen, sie sah auch noch genauso aus wie du!  Allerdings kehren Tote nicht ins Leben zurück, es sei denn, sie wurden vorher von einem Vampir gebissen, was bei diesem Mädchen nicht der Fall war. Außerdem spüre ich bei dir keine Anzeichen dafür, dass du ein Vampir sein könntest. Seltsam ist es trotzdem allemal, aber es muss wohl tatsächlich ein riesiger Zufall sein!  Vielleicht bist du mit der Toten über einige Ecken verwandt und weißt nichts davon?“ meinte die Leutnantin und legte sich nachdenklich ihren Zeigefinger auf die Lippen.
Schulterzuckend sah ich die schwarzhaarige Vampirjägerin an und überdachte genau meine nächsten Worte. Ich musste vorsichtig sein, mit dem was ich sagte, denn Livia schien alles andere als dumm zu sein und es schien mir so, als würde sie mir nicht wirklich glauben. Immer und immer wieder warf sie mir misstrauische Blicke zu, als wir schweigend im Sturm standen.
„Leutnant!  Leutnant Livia, ein Vampir wurde vor der Stadt gesichtet und einer unserer Männer wurde getötet!“ schrie plötzlich ein aufgeregter Soldat, der auf uns zu gerannt kam. Erschrocken drehte sich die Schwarzhaarige um und sah ihren Untergebenen entsetzt an. „Sag allen, sie sollen auf ihren Posten bleiben und die Augen offen halten!  Ich werde gehen und diesen Blutsauger suchen!“ befahl Livia und schickte den Soldaten fort.

Erschrocken musterte ich die Leutnantin und biss mir entsetzt auf die Unterlippe. Was sollte ich tun? Mich in den Kampf einmischen und die Menschen in der Stadt vor dem Vampir beschützen, oder sollte ich diese Angelegenheit den Vampirjägern überlassen und Cosmin folgen?
Es war ein seltsames Gefühl hören zu müssen, dass sich wieder einmal ein Blutsauger in Târgoviste herum trieb. Unwillkürlich musste ich an den Tag denken, an dem unsere Stadt von ihnen in Schutt und Asche gelegt wurde - an den Tag, an dem meine Familie von ihnen ermordet wurde. Unglaublicher Hass auf diese Kreaturen stieg in mir auf und ich ballte meine Hände zu Fäusten. Warum waren die meisten Vampire solche blutrünstigen Monster? Wieso töteten sie die Menschen und nahmen sich nicht ein Beispiel an Cosmin und den anderen? Konnten sie sich nicht einfach beherrschen und in Frieden zusammen mit uns leben? Sie waren einst selbst Menschen gewesen, und trotzdem hassten sie uns so sehr.
Livia machte Anstalten zu gehen, doch bevor sie vollkommen von dem Dunkel verschluckt wurde, drehte sie sich noch einmal um und sah zu mir hinüber. „Es ist besser wenn du nach Hause gehst!  Auf den Straßen könnte es heute sehr gefährlich für ein so junges Mädchen wie dich werden, und man kann nie wissen, ob sich nicht vielleicht noch mehr Vampire in der Nähe der Stadt aufhalten. Hab keine Angst!  Zwar tauchen in letzter Zeit immer öfters Vampire auf, aber die sind kein Problem für uns!  Immerhin sind wir gut ausgebildete Jäger, bisher ist uns noch keiner Lebend entkommen.“ sagte mein Ebenbild und verschwand schließlich in der Finsternis.
Ein leichter Atemzug lag zwischen meinen Lippen, als ich mich unsicher der Straße näherte und mich misstrauisch umsah. Erneut schien die Stadt wie ausgestorben, nur ein paar seltsame Gestalten tummelten sich noch immer in der gegenüberliegenden Gasse. Cosmin und Ion waren bereits verschwunden, hatten den Friedhof vielleicht schon längst erreicht. Schweigsam dachte ich nach und meine Augen folgten dem Weg, der zum östlichen Stadtausgang führte. „Ob ich diese Sache wirklich Livia und ihren Leuten überlassen kann? Einer ihrer Männer wurde schon getötet, aber ich würde so gerne wissen, was Cosmin und Ion sagen, wenn sie mein leeres Grab erreicht haben.“ dachte ich stumm und ein leises Seufzen entwich meinen Lippen. Langsam setzte sich mein Körper in Bewegung und ich ging in Richtung Friedhof. Die Neugier in mir war stärker als die Sorge um Livia. Sie war eine Vampirjägerin und sie hatte wohl schon einige Erfahrung im Kampf gegen diese Monster gesammelt. „Sie wird es schon schaffen!“ murmelte ich und versuchte, mich an die Fersen von Cosmin zu heften.

Als ich die Ruhestätte erreicht hatte, ließ ich meinen Blick über die vielen, verwitterten Gräber schweifen, die aus der niedrigen und dichten Nebelbank hinaus ragten. Es war ein unheimlicher Anblick und ein eiskalter Schauer überkam mich, sodass ich zitternd zusammenzuckte. Noch nie hatte ich ein gutes Gefühl, wenn ich bei Nacht einen Fuß auf den Friedhof setzten musste. Schon als kleines Kind behagte mir dieser Ort nicht und nach der Dämmerung kam ich nie hierher, den Grund für meinen Abscheu Friedhöfen gegenüber, weiß ich nicht einmal selbst . Vielleicht lag es an den gruseligen Geschichten, die mir als Kind erzählt worden – von wandelnden Untoten, die bei Nacht aus ihren Gräbern stiegen und nur darauf warteten, Kinderfleisch schmecken zu können. „Das schlimmste an diesen Geschichten ist, dass sie Wahr werden könnten.“ hauchte ich leise vor mich hin und ein bitteres Lächeln schlich auf meine Lippen. Die Menschen wussten von der Existenz dieser Wesen und ein fünkchen Wahrheit steckte in ihren Geschichten, doch trotzdem waren sie sich nicht darüber im Klaren, dass soetwas zu jeder Zeit auf einem Friedhof geschehen konnte.

Erneut ließ ich meine Augen über die vielen Gräber gleiten, doch an einem ganz Bestimmten, blieb mein Blick hängen. Der Grabstein war noch relativ neu, zumindest war er noch nicht vom Wind und Regen zerfressen. Selbst die Inschrift war gut leserlich und ich konnte sie trotz der großen Distanz entziffern. Der Name Bäsescu war in großen Buchstaben in den Stein gemeißelt worden; es war das Grab, in dem meine Eltern und Horea lagen.
Eine tiefe Traurigkeit überkam mich, als ich leise den Kiesweg entlang ging und vor ihrer Ruhestätte halt machte. Cosmin und die anderen mussten wohl nach meinem Tod, ihr Grab neu hergerichtet haben, denn als ich das letzte Mal hier war, war nur ein altes Holzkreuz in den Boden gerammt worden. Doch nun befand sich an Stelle des Kreuzes, ein riesiger Grabstein und unzählige, schöne Wildblumen.
Langsam ging ich in die Hocke, und meine Finger glitten vorsichtig über den kalten Stein. „Tut mir Leid, dass ich euch erst so spät wieder besuche, aber es gab ein paar Komplikationen.“ flüsterte ich leise und ein schmerzliches Lächeln umspielte meine Lippen. Noch immer schmerzte mich der Gedanke, dass ich Horea und meine Eltern nie mehr wiedersehen würde - ich konnte es noch immer nicht begreifen. Es kam mir so vor, als ob alles gestern passiert wäre, doch in Wahrheit waren sie nun schon über zwei Jahre tot. Vielleicht hatte es den Anschein, weil ich unmittelbar nach ihnen gestorben war und erst heute zurück ins Leben kam. Meine Wunden waren noch frisch, bei Aurelia waren sie vielleicht schon längst wieder geheilt.
„Ich konnte euch nicht Rächen, doch ich werde alles daran setzten, Dracula für seine Taten büßen zu lassen und auf Aurelia werde ich gut Acht geben. Ich werde sie beschützen, das Verspreche ich euch!“ flüsterte ich leise vor mich hin und legte meinen Kopf schräg auf die Knie. „Ich hoffe, dort wo ihr seid, geht es euch gut und ich hoffe, Horea macht euch nicht zu viel Ärger!  Ich weiß ja, dass er eine unheimliche Nervensäge sein kann... aber so ist er, mein Bruder...“
„Du redest mit einem Stein?“ konnte ich plötzlich eine mir bekannte Stimme hören und ein kalter Schauer durchzuckte meinen Körper, während ich mir erschrocken über die Schulter sah. Die eisblauen Augen Cosmins musterten mich gespannt, als er mit verschränkten Armen hinter mich trat. Ich wartete nur darauf, eine Standpauke von ihm zu erhalten, doch Cosmin schien alles andere als wütend darüber zu sein, dass ich mich hier aufhielt. Im Gegenteil, er schien Glücklich zu sein.
„Ich rede nicht mit dem Stein, sondern mit meinen Eltern und Horea!“ entgegnete ich ihm auf seine spaßige Frage hin. „Glaubst du, sie können dich hören?“ „Ich weiß nicht, aber wenn, dann ist es schön!  Ich wünsche mir, dass sie mich hören und sehen können. Es ist einfach ein schöner Gedanke!“ „Das können sie sicherlich. Aber nun sag mir, hattest du einfach nur Sehnsucht nach deiner Familie, oder bist du Ion und mir gefolgt? Du hast vorhin unser Gespräch belauscht, nicht wahr? Ion ging davon aus, dass du alles mitangehört hast.“ Ertappt sah ich zu Boden und in Gedanken ärgerte ich mich über den kleinen Kater. Warum konnte Ion nicht einmal seinen vorlauten Rand halten?
„Ja, ich habe gelauscht und ja, ich bin euch gefolgt. Tut mir Leid, aber ich wollte wissen was du sagst, wenn du meinen leeren Sarg findest... du warst nämlich nicht gerade nett zu mir und ich hoffte, du würdest deine Meinung ändern!“ rief ich und sprang verkrampft auf. Aus irgendeinem Grund stiegen Tränen in meine Augen – vielleicht aus Wut, aber vielleicht auch aus Enttäuschung. Seufzend lehnte sich der Silberhaarige gegen eines der Gräber und er ließ seine Hände in die Taschen seiner Hose gleiten. „Ich weiß, und es tut mir Leid, wie ich mich Verhalten habe!  Ich habe einfach völlig überreagiert.“ sagte Cosmin und lächelte bitter.

Erstaunt schlackerte ich mit den Ohren und sah verwundert auf. Hatte ich tatsächlich richtig gehört? Glaubte Cosmin mir nun wirklich?
„Also vertraust du mir jetzt?“ fragte ich mit rauer Stimme und versuchte meine Freude zurückzuhalten. Der Silberhaarige sollte sehen, dass er mich mit seinem Verhalten sehr verletzt hatte, und wenn ich nun die beleidigte Leberwurst spielte, bekam er vielleicht ein schlechtes Gewissen. „Nun, der Sarg war leer, aber Dracula hätte die Leiche auch einfach verschwinden lassen können, bevor er einen seiner Gestaltenwandler hier her schickte. Allerdings glaube ich nicht, dass jemand von seinen Leuten mit einem Grabstein reden würde oder überhaupt auf die Idee gekommen wäre, sich das Familiengrab deiner Verwandten anzusehen, um echter zu wirken.“ meinte Cosmin und ein bübisches Grinsen umspielte seine Lippen. „Ich habe nicht mit dem Grabstein geredet!“ rief ich krächzend und nun musste auch ich Lächeln. Ich war froh darüber, dass sich diese Sache nun erledigt hatte. Zwar wusste ich, dass Cosmin sicherlich noch für einige Zeit kleinere Zweifel mit sich herum tragen würde, aber er würde schon noch merken, dass ich die Echte war.
„Lass uns gehen. Wir werden heute Abend deiner Schwester und den anderen einen Besuch abstatten, aber vorher muss ich noch einige Dinge erledigen.“ sagte der Silberhaarige und griff nach dem Zipfel meines Rocks, um mich hinter sich her ziehen zu können. „Dinge zu erledigen?“ hackte ich unsicher nach und blickte noch einmal zu dem Grab meiner Familie, bevor wir den Totenacker verließen. „Ja, ich muss Spuren vernichten. Wir werden für einige Zeit Târgoviste verlassen, um mit Rosa, Alin, Ethgar und Nyria einen Plan auszuhecken. In dieser Zeit könnte jeder in unser Haus eindringen und wenn sie dann meine Blutkonserven finden, bin ich entlarvt!  Ich bin lieber vorsichtig und gehe auf Nummer sicher.“ antwortete Cosmin und sog die Luft scharf ein. Verständnisvoll nickte ich und unwillkürlich sprangen meine Gedanken zu Livia, die nun vielleicht gegen diesen Vampir, außerhalb der Stadt kämpfte. Ob es ihr gut ging? „Was hast du?“ fragte der Silberhaarige plötzlich und riss mich somit aus meinen Gedanken. Schnell schüttelte ich mit dem Kopf und lächelte. „ Es ist nichts, nur hatte ich vorhin das Vergnügen die Leutnantin der Vampirjäger kennenzulernen. Sie ist wirklich nett und ich mache mir Sorgen um sie, da außerhalb der Stadt ein Vampir gesichtet wurde...“ „Stela, du weißt, sie gehört zu unseren Feinden!  Diese Jäger töten jeden Vampir, egal ob gut oder böse!  Sie würden selbst mich umbringen, wenn sie wüssten, was ich wirklich bin.“ „Ich weiß, nur sie hat mir geholfen und ich kann nicht glauben, dass so eine nette Person zu unseren Feinden zählt. Es wäre schade, wenn ihr etwas geschieht!“ Cosmin seufzte und sah hinauf zum blutroten Mond. „Der Blutmond macht die Vampire noch stärker als sie sind, und die Jäger dürften große Schwierigkeiten mit ihnen bekommen. Aber wir können uns nicht erlauben, ihnen im Kampf zu helfen oder ihnen zu nahe zu kommen!  Ich würde ihnen gerne helfen und im Grunde haben sie das selbe Ziel wie wir. Nur die Vampirjäger wollen alle Vampire töten um möglichst spätere Gefahren für die Menschen zu verhindern, wir hingehen wollen nur die wirklich Bösen unter ihnen töten. Ich habe es lange Zeit geschafft, mein wahres Ich zu verstecken, die Menschen hier glauben, ich sei ein ganz normaler Bewohner von Târgoviste und es wäre ärgerlich, wenn sie mich nun enttarnen würden.“
Traurig senkte ich meinen Blick. Cosmin hatte recht mit dem, was er sagte, doch trotzdem änderte es nichts daran, dass ich Livia gut leiden konnte. Es wäre so schön, wenn man ihr und ihren Männern die Augen öffnen könnte, ihnen sagen zu können, dass es nicht nur schlechte Vampire gab.


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